Wachsende Bedeutung des E.Learnings für Unternehmen


Formate und Formen des digitalen Lernens

Viele Unternehmen traf die Pandemie nicht nur finanziell schwer. Meetings, Weiterbildungen oder Veranstaltungen konnten nicht wie gewohnt Face-to-Face stattfinden, so dass ein Umdenken mit Blick auf digitale Alternativen die Folge war. So wundert es nicht, dass auch Anbieter von digitalen Weiterbildungsangeboten einen regelrechten Aufschwung in den letzten zwei Jahren erlebten.

Vor der Pandemie wurden Schulungen häufig in Form von Präsenzeinheiten durch Coaches abgehalten. Mit Corona war diese Lernform allerdings nicht mehr in der Form möglich. Entsprechende Anbieter mussten ihr Angebot erneuern, um auf dem Markt bestehen zu können. Unternehmen, die sich bereits auf E.Learning-Angebote spezialisiert haben, bauten ihr Konzept aus.

Mittlerweile ist das Angebot an digitalen Weiter- und Fortbildungsmöglichkeiten groß. Für Unternehmen hat das E.Learning folgende Vorteile:

  • Unabhängig von Zeit und Ort: Mit den entsprechenden Zugangsdaten können die Teilnehmer von überall an der Weiterbildung teilnehmen. Und wenn es sich nicht um eine Live-Schulung handelt, kann der Teilnehmer auch den Zeitpunkt frei wählen.
  • Geringerer Kostenaufwand: Beispielsweise entfallen Kosten für die Anfahrt zum Schulungsort oder auch für die Unterkunft. Insgesamt ist die Zeit, die der Arbeitnehmer nicht produktiv arbeiten kann, geringer im Vergleich zur Präsenzschulung. Zudem erwirbt ein Unternehmen zumeist eine Lizenz für digitale Lernangebote, so dass die Teilnehmerzahl nicht begrenzt ist.
  • Vereinheitlichte Qualitätsstandards: Da es sich bei digitalen Lernangeboten oftmals um aufgezeichnete bzw. vorproduzierte Inhalte handelt, gibt es keine Unterschiede bei der Qualität der Lerneinheit.
  • Zusätzliche Motivation durch Interaktivität: Je nach Anbieter werden zusätzlich weitere Angebote wie Videos oder Podcasts oder auch Abfragetests zu einem Thema bereitgestellt.
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E.Learning kann über unterschiedliche, internetfähige Geräte erfolgen. / Unsplash.com © Lara Far

Was ist E.Learning?

„[…] alle Formen von Lernen, bei denen elektronische oder digitale Medien für die Präsentation und Distribution von Lernmaterialien und/oder Unterstützung zwischenmenschlicher Kommunikation zum Einsatz kommen.“

Quelle: Zitat von Michael Kerres (2001)

Damit kommen bei der E.Learning Weiterbildung digitale Medien und Werkzeuge zum Einsatz, sowohl bei der Vorbereitung, Präsentation als auch bei der Verteilung von Lerninhalten. Beim E.Learning werden elektronische Geräte wie Laptops, PCs, Smartphones oder Tablets verwendet. Voraussetzung ist ein funktionierender Internetzugang.

Dabei können die Angebote unterschiedlich aussehen, beispielsweise in Form von Podcasts, Videokursen, Mobile Learning, Blended Learning und viele weitere.

Formen und Ziele von E.Learning

E.Learning-Kurse können für die unterschiedlichsten Ziele von Unternehmen interessant sein. So geht es inhaltlich nicht immer um die Vermittlung von neuem Fachwissen, sondern auch um das Erlernen von neuen Sprachen oder bestimmten Business-Skills. Des Weiteren lassen sich auch E.Learning-Kurse im Bereich Persönlichkeitsentwicklung finden. Letzteres kann beispielsweise für bestehende oder angehende Führungskräfte interessant sein und Inhalte wie Zeitmanagement, Umgang mit Mitarbeitern oder Speed Reading umfassen.

Je nach Anbieter sind solche Angebote für die unterschiedlichsten Branchen geeignet, sei es für die Industrie, im Sozialwesen oder für sämtliche Dienstleister. Für Arbeitnehmer und Arbeitgeber stellen diese Weiterbildungsmöglichkeiten eine effektive Maßnahme dar, um sich selbst und das ganze Unternehmen weiterzuentwickeln.

E.Learning-Formate: Vor- und Nachteile

Wie bereits angedeutet existieren zahlreiche Formate bei der Weiterbildung durch E.Learning. Im Folgenden werden acht Lernmethoden und ihre Vor- und Nachteile aufgezeigt:

1. Web Based Training (WBT)

  • Gilt als Klassiker
  • Über eine internetbasierte Plattform werden Lerninhalte bereitgestellt
  • Oft Basis und gut kombinierbar mit weiteren Formaten wie Videos oder Podcasts des E.Learnings
  • Vorteil: Lerntempo kann vom Teilnehmer selbst bestimmt werden, vielfältige und unterhaltsame Inhalte möglich, auch mobil können die Inhalte genutzt werden
  • Nachteil: rein theoretische Wissensvermittlung, Praxisbezug fehlt, hohe Eigenmotivation des Teilnehmers notwendig

2. Blended Learning

  • Kein reines E.Learning-Format
  • Kombination aus Offline- und Online-Schulung
  • Vorteil: Praxis und Theorie lassen sich gut vereinbaren (beispielsweise wird das theoretische Wissen über Online-Angebote erworben und in der Präsenzeinheit bleibt ausreichend Zeit fürs Wesentliche), Online-Angebote ermöglichen Flexibilität
  • Nachteil: Teilnehmer müssen sowohl für die Präsenzzeiten als auch für die Online-Schulungen motiviert werden 🡪 gutes Konzept unabdingbar

3. Massive Open Online Courses (MOCCs)

  • Kostenlose, öffentlich zugängliche Online-Kurse
  • Verschiedene Methoden: Vorträge, Bearbeitung von Aufgaben, Tests, interaktive Angebote, Foren
  • Vorteil: hohe Flexibilität, da die Teilnehmer selbst entscheiden, wann sie den Kurs starten und wie sie sich die Lerneinheiten einteilen, Austausch mit anderen Teilnehmern möglich, meist kostenlos
  • Nachteil: hohes Maß an Eigenmotivation notwendig

4. Online-Seminare

  • Online-Variante des analogen Seminars
  • Meist in Form eines Vortrags live vor einer Teilnehmergruppe
  • Meist direkte Interaktion möglich
  • Durch Aufzeichnung können sie später als Wiederholung erneut angesehen werden
  • Vorteil: ortsunabhängig, bei großer Teilnehmerzahl geeignet
  • Nachteil: muss gut aufbereitet werden, um Aufmerksamkeit der Teilnehmer zu halten

5. Micro Learning

  • Kurzlerneinheiten („Snackable Content“): unkomplizierte, kurzgefasste, leicht verständliche Inhalte
  • Lerninhalte werden in wenigen Minuten so effektiv wie möglich vermittelt
  • Ziel: größtmöglicher Lernerfolg in kürzester Zeit
  • Beliebt: Lerninhalte über Videos transportieren
  • Vorteil: Teilnehmer werden nicht so schnell überfordert, Flexibilität durch modularen Aufbau der Lerneinheiten
  • Nachteil: weniger geeignet, um ein breites Grundwissen zu vermitteln oder um analytische Fähigkeiten aufzubauen

6. Lerninhalte über Videos

  • Studien belegen, dass Wissensvermittlung über auditive und visuelle Inhalte besser funktioniert als allein über das Lesen von Texten
  • Eignen sich in Kombination mit anderen Formaten
  • Vorteil: motivierend, da neben auditiven auch visuelle Reize angesprochen werden
  • Nachteil: fehlender direkter Austausch
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Podcasts können jederzeit, unabhängig von Ort und Zeit konsumiert werden. / Unsplash.com © michal dziekonski

7. Podcasts

  • Liegen im Trend
  • Enthalten Sammlung von einzelnen Medienbeiträgen
  • Audio- oder auch Videodateien können durch RSS-Feed abonniert werden
  • Zu sämtlichen Themen gibt es Podcasts, auch zu Wissensthemen
  • Können auch nur einer bestimmten Gruppe zugänglich gemacht werden
  • Vorteile: zeit- und ortsunabhängig, jederzeit über sämtliche Geräte abrufbar
  • Nachteil: nicht alle Inhalte sind für Podcasts geeignet, meist keine Interaktion möglich

8. Mobile Learning

  • Mobiles Lernen mit entsprechenden Geräten wie beispielsweise Tablet oder Smartphone
  • Besonders geeignet sind Lerninhalte via Podcasts, Video- oder Audiodateien sowie auch Game-based-Learning-Angebote
  • Vorteile: orts- und zeitunabhängig, hohe Motivation
  • Nachteil: Geräte und Inhalte müssen technisch stets aktuell sein, um Kompatibilitätsprobleme zu vermeiden

Digitalisierung der Pädagogik: Weitere Felder des E.Learnings

Neben Unternehmen spielen digitale Lernangebote auch in anderen Bereichen eine zunehmend wichtige Rolle. Allen voran im pädagogischen Bereich. E.Learning wird vor allem für Schulen ein wichtiges Thema bleiben. Fraglich ist nur, in welche Richtung es letztlich gehen wird. Die Pandemie hat auch hier die Notwendigkeit gezeigt. So nutzen Schulen fürs Homeschooling verschiedene Lernplattformen, die meist vom jeweiligen Bundesland vorgegeben wurden. Die Performance der einzelnen Plattformen fällt allerdings sehr unterschiedlich aus.

Bildungsforscher Prof. em. Olaf-Axel Burow sieht in der fortschreitenden Digitalisierung der Schulen aber folgende Vorteile:

 „Digitale Medien, kompetent eingesetzt, eröffnen völlig neue Möglichkeiten passgenauen, binnendifferenzierenden Lehrens und Lernens. Sie können Lehrer/innen von der Vermittlung von Basiswissen entlasten und geben ihnen die Möglichkeit zu Lernumgebungsdesignern zu werden, die die gewonnene Zeit für die zielgenaue Lernberatung von Schüler/innen nutzen können.“

Quelle: Zitat Prof. em. Olaf-Axel Burow

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