Wertströme anstelle von Projekten


Ein wesentlicher Punkt in SAFe ist das Verständnis von Wertströmen. Ein Projekt ist gemäß ISO 69901 bzw. die neuere ISO 21500 ein einzigartiges Vorhaben mit klarem Ziel und definiertem Zeitrahmen (Beginn und Ende) für die Umsetzung des Ziels, z. B. für die Entwicklung eines Produktes. Für ein solches Entwicklungsprojekt kann dann ein Lastenheft, ein Pflichtenheft und schließlich auch der Projektplan erstellt werden.

projektprozess

Abbildung 5: Klassischer Projektprozess mit klarem Output

In diesem Fall ist jedoch kein agiles Vorgehen erforderlich. Erst wenn der Output nicht klar beschrieben ist, kann auch keine Projektplanung erfolgen, weder die Kapazität noch das Budget noch die Zeit. Und dann benötigt man agiles Vorgehen.

Die agile Vorgehensweise entspricht dann aber nicht der Projektdefinition gemäß ISO. Die Entwicklung erfolgt in immer neuen Inkrementen, bis kein wesentlicher Zusatznutzen für den Kunden mehr erzielt werden kann. Diese Vorgehensweise entspricht eher einem dauerhaften WertstromSAFe spricht entsprechend auch von Value Streams. Der Fokus der Planung liegt dann nicht auf dem Output, sondern auf einem angestrebten Outcome, einem wahrgenommenen Kundennutzen.

agiles vorgehen

Abbildung 6: agiles Vorgehen in einem Wertstrom statt in eines Projekts

Mehrere agile Teams können in einem Value Stream tätig sein. Es können mehrere Value Streams existieren, die voneinander abhängig sein können. Entsprechend werden dann ARTs und Solution Trains gebildet.

Organisation und Rollen in SAFe

Die Kernelemente der agilen Organisation sind cross-funktionale, meist selbstorganisierte Teams. Diese agilen Teams haben meist 5-12 Mitglieder und sollen möglichst langfristig stabil zusammenarbeiten. Neben der Rolle des Entwicklerteams gibt es den Scrum Master und den Product Owner.

In der skalierten agilen Organisation sind weitere Verantwortlichkeiten notwendig, die auf der Ebene der ARTs, der Solution Trains und auch für das gesamte Unternehmen agile Rollen übernehmen. Zur Steuerung einer solchen Organisation sind weitere Rollen erforderlich als in einem einzelnen Scrum-Team. So gibt es den Release-Train-Engineer, der quasi der Scrum-Master auf Ebene der ARTs ist. Er sichert die Synchronisation und Taktung der einzelnen Teams im ART. Der Product Manager koordiniert die Product Owner auf ART-Ebene. Zusätzlich gibt es System- und Enterprise-Architect bzw. Engineer. die jeweils für die angemessene Infrastruktur und für eine einheitliche technische Gesamtstruktur sorgen.

Ein wichtiges Bild in der skalierten agilen Organisation ist die Trennung von funktionaler Aufbauorganisation und der agilen, teamorientierten Ablauforganisation. SAFe bezeichnet dies als „dual Operating System“. Dieses Modell geht auf Don Reinertsen zurück.[1] Auf diese Weise können eine stabile, disziplinarische Strukturorganisation und eine flache agile Fachorganisation parallel existieren.

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