New Work: Chancen und Risiken der digitalen Transformation


Im Laufe der Geschichte hat sich die Arbeitswelt bereits mehrfach grundlegend gewandelt. Die Industrialisierung im 18. und 19. Jahrhundert ist dafür ein hervorragendes Beispiel. Ein ähnlicher Wandel findet derzeit statt, nämlich jener zur sogenannten „New Work“. Auch von der Arbeitswelt 4.0 oder Industrie 4.0 wird in diesem Zusammenhang gerne gesprochen. Doch was bedeutet das und welche Chancen sowie Risiken bringt die digitale Transformation mit sich?

New Work – eine Definition

Die New Work resultiert aus verschiedenen Veränderungen, beispielsweise der Globalisierung, der Digitalisierung und der Wandlung von der Industrie- zur Wissensgesellschaft. Diese haben nämlich eine Reihe an neuen Arbeitsmodellen hervorgebracht, die in ihrer Gesamtheit als New Work bezeichnet werden. Das Jobsharing, die Remote Work, der Sechs-Stunden-Arbeitstag, die Holacracy oder Coworking Spaces sind dafür nur einige von vielen Möglichkeiten.

Geprägt wurde der Begriff bereits gegen Ende der 1970er-Jahre durch Frithjof Bergmann im Zuge seiner Versuche, ein zukunftsfähiges Gegenmodell zum Sozialismus zu entwickeln. Damals war New Work aber noch reine Utopie. Mittlerweile gehört sie in vielen Unternehmen bereits fest zum Arbeitsalltag. Dennoch sind ihre Möglichkeiten vielerorts noch lange nicht ausgeschöpft.

Bergmann selbst sah in der New Work eine Möglichkeit, dass Arbeit nicht länger ein Mittel zum Zweck ist, sondern eine Möglichkeit der Menschen, um sich als freies Individuum zu verwirklichen. Daher treten bei der New Work neue Werte in den Vordergrund, allen voran Selbständigkeit, Freiheit und Arbeit mit einem tieferen Sinn. Allgemein gesprochen, beschrieb Bergmann seine Vorstellung der New Work als „die Arbeit, die ein Mensch wirklich will“.

Merkmale der New Work im Arbeitsalltag

Heutzutage assoziieren viele Menschen den Begriff der New Work vor allem mit dem Homeoffice. Durchaus spielt dieses eine wichtige Rolle, ist aber nur eines von zahlreichen Arbeitsmodellen, die durch diese neuen Werte entstanden sind – oder in Zukunft noch entstehen könnten. Es ist daher wichtig, über den Tellerrand zu blicken und die New Work in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Zum heutigen Zeitpunkt zeichnet sie sich durch folgende Merkmale aus:

  • Die Mitarbeiter erhalten (mehr) Freiräume zur Selbstverwirklichung und -bestimmung.
  • Die Arbeit wird als sinnstiftend empfunden. Das Geld rückt dabei in den Hintergrund, ist also nicht mehr der hauptsächliche Beweggrund, um zu arbeiten.
  • Der Job soll sowohl der beruflichen als auch der persönlichen Weiterentwicklung dienen.
  • Dementsprechend verfließen zunehmend die Grenzen zwischen Beruf- und Privatleben; aus Work-Life-Balance wird Work-Life-Blending.
  • Da die Persönlichkeit der Mitarbeiter immer mehr als wichtig(st)e Ressource für das Unternehmen angesehen wird, steigt auch die Bedeutung der Diversität innerhalb von Teams, um die individuellen Stärken bestmöglich auszuspielen.
  • Kreativität und Innovation sind das Ziel der täglichen Arbeit dieser Teams.
  • Daher wird auch die Arbeitsumgebung neu strukturiert, sowohl durch Remote Work, beispielsweise im Homeoffice oder in einem Coworking Space, als auch vor Ort. Open-Space-Büros oder die Vier-Tage-Woche sind dafür Beispiele.
  • Die New Work basiert größtenteils auf digitalen Technologien, weshalb sie durch die Digitalisierung vorangetrieben und weiterentwickelt wird.
  • Das bedeutet auch neue Unternehmens- und Prozessstrukturen, beispielsweise in Form von agilen Teams. Oft ist dabei auch die Sprache von der Leadership 4.0.

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Durchaus handelt es sich bei der New Work also nicht um kleinere Veränderungen, sondern um einen grundlegenden Wandel in der Arbeitswelt. Neben der Digitalisierung ist dabei auch die Generation Y ein wichtiger Treiber, denn sie stellt die für Unternehmen so wichtigen Nachwuchskräfte – und angesichts des demografischen Wandels ist ein regelrechter „War for Talents“ um diese Nachwuchskräfte entstanden.

Da die Generation Y aber andere, eben diese neuen Wertvorstellungen bezüglich der Arbeit hat, müssen sich die Arbeitgeber ein Stück weit anpassen und ihr entgegen kommen. Das bietet aber nicht nur für die Arbeitnehmer gewisse Vorteile, sondern ebenso für die Arbeitgeber.

Vorteile der New Work für Arbeitgeber

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Für die Arbeitnehmer liegen die Vorteile dieser Entwicklung auf der Hand. Sie genießen mehr Flexibilität, mehr Freiraum, mehr Selbstverwirklichung, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie viele weitere Vorzüge in ihrem Berufsleben. Chancen birgt die New Work aber auch für die Arbeitgeber. Denn die neuen Wertvorstellungen der Mitarbeiter bedeuten zugleich, dass ihnen materielle Werte weniger wichtig sind. Überdurchschnittliche Gehälter, ein Geschäftswagen, eine Betriebsrente & Co sind daher nicht mehr die durchschlagenden Argumente beim Einstellungsprozess. Das bietet die Möglichkeit zu finanziellen Einsparungen, denn in der modernen Arbeitswelt ist der Kostendruck für Unternehmen oft größer als jemals zuvor.

Diese Einsparungen bedeuten jedoch nicht zwangsläufig eine geringere Motivation, Produktivität oder Loyalität der Mitarbeiter. Im Gegenteil: Arbeitgeber, die verstehen, was ihre Angestellten wirklich wollen, und die diese Wünsche auch erfüllen, profitieren oftmals von zufriedeneren, gesünderen, motivierteren, produktiveren, kreativeren, innovativeren und in vielerlei Hinsicht besseren Mitarbeitern – und das zu variablen Gehältern. Je nachdem, wie die neuen Möglichkeiten im Bereich Organisation, Führung und Arbeitszeitmodell umgesetzt werden, können sich weitere Vorteile für Unternehmen ergeben, zum Beispiel:

  • Kosteneinsparungen durch einen geringeren Platzbedarf, sprich den Mitarbeitern müssen weniger Büroräumlichkeiten inklusive Ausstattung zur Verfügung gestellt werden, wenn diese remote arbeiten.
  • Dadurch bleibt vor Ort mehr Platz für Raumkonzepte, welche gezielt die Produktivität, Kreativität oder Innovation steigern.
  • Die Mitarbeiter können ihre Potenziale optimal entfalten und damit ihre Stärken besser ausspielen, was den Unternehmenserfolg steigern kann.
  • Durch die gesteigerte Mitarbeiterzufriedenheit kommt es zu einer Verringerung der Fluktuation und Krankenstände, was ebenfalls Kosteneinsparungen bedeutet.

Und damit ist die Liste noch lange nicht zu Ende. Die Remote Work beispielsweise bringt zusätzliche Vorteile, auch für den Arbeitgeber, wie Einsparungen bei den Betriebskosten sowie bei Geschäftsreisen oder die Möglichkeit zum Aufbau einer Vertrauenskultur. Für Unternehmen stellt sich in der modernen Arbeitswelt also nicht die Frage, ob sie sich auf die New Work vorbereiten sollten, denn sie ist längst angekommen. Wer die Entwicklung verschlafen hat, sollte stattdessen schleunigst nachziehen, um von den Vorteilen zu profitieren und im „War for Talents“ langfristig bestehen zu können.

Risiken der New Work für Unternehmen

Dennoch kommt die New Work nicht ohne Risiken, die Arbeitgeber kennen und berücksichtigen müssen. Viele von ihnen befürchten eine sinkende Produktivität ihrer Mitarbeiter, wenn sie diesen mehr Freiraum lassen – und durchaus stellt die New Work auch neue Anforderungen an die Arbeitnehmer, denen nicht jeder gewachsen ist. Sie müssen beispielsweise in der Lage sein, auch im Homeoffice produktiv zu arbeiten oder trotz Work-Life-Blending auf ihre Gesundheit zu achten.

Ein weiteres Risiko wird in der zunehmenden Abhängigkeit von digitalen Technologien gesehen. Gibt es beispielsweise Probleme in der IT oder mit der Internetverbindung, kann dies verheerende Arbeitsausfälle mit hohen Kosten nach sich ziehen. Hinzu kommt die ständige Erreichbarkeit, die nicht nur durch Arbeitgeber bei ihren Mitarbeitern zunehmend vorausgesetzt wird, sondern eben auch durch die Kunden beim Unternehmen.

Ein weiteres wichtiges Thema sind auch hier die Kosten. Einerseits bringt die New Work diesbezüglich zwar Chancen mit sich, wie bereits erwähnt. Doch um diese ergreifen zu können, sind erst einmal größere Investitionen notwendig. Ob sich diese refinanzieren und wann, lässt sich oft nur schwer vorhersagen, da es mit der New Work schlichtweg noch an Erfahrungswerten fehlt. Das kann zu häufigen Umstrukturierungen und damit zu hohen Kosten sowie weiteren Nachteilen führen, beispielsweise auf Seiten der Mitarbeiter.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die New Work kein kurzweiliger Trend ist, sondern ein grundlegender Umbruch in der Arbeitswelt. Unternehmen können sich diesem daher nicht entziehen und umso wichtiger ist es, diese Veränderungen frühzeitig mitzugehen. Dann bringt die New Work sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber zahlreiche Chancen mit sich. Allerdings bedeutet das auch neue Risiken, bei denen es größtenteils an Erfahrungswerten fehlt. Ein Stück weit ist die New Work zum Status quo daher eine Art von „Learning by doing“ und das kann bedeuten, ein gewisses Lehrgeld bezahlen zu müssen.

Es gilt also, sich auf die Entwicklung einzulassen und die Chancen in den Fokus zu stellen. Denn bestenfalls zahlt sich das Lehrgeld dann für alle Beteiligten in naher Zukunft aus. Wie diese in der Arbeitswelt aussehen wird, lässt sich also zum jetzigen Zeitpunkt nur schwer vorhersagen, doch genau das macht die New Work so spannend. Sicher ist zudem, was nicht passieren wird, nämlich ein Rückschritt in die frühere Arbeitswelt.

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