Kreativitätstechniken und Ideenfindung im Innovationsmanagement


Innovationen gehören in der heutigen Zeit zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren für ein Unternehmen. Sie erfordern jedoch ein gewisses Maß an Kreativität, das nur entstehen kann, wenn entsprechende Grundvoraussetzungen gewährleistet werden. Als die vier größten Innovationstreiber in Unternehmen werden daher der technologische Fortschritt, ein dynamisches Marktumfeld, ein stetiger Wettbewerb sowie sich wandelnde Kundenerwartungen betrachtet. Allerdings braucht es auch die „richtigen“ Leute, um daraus Fortschritt in Form von konkreten Innovationen zu generieren. Die Mitarbeiterauswahl ist daher der Schlüssel, um beste Voraussetzungen für ein erfolgreiche(re)s Innovationsmanagement zu schaffen. Allerdings handelt es sich dabei eben nur um den ersten Schritt in die richtige Richtung.

Kreativitätstechniken und Ideenfindung im Innovationsmanagement

Es sind die Menschen, die Innovationen „machen“

Als Querdenker werden gerne Mitarbeiter bezeichnet, die Visionen haben und kreativ sind. Sie bringen eine neue Perspektive in das Unternehmen ein und neue Lösungen für alte Probleme. Eben diese Ideen sind es, die wertvolle Innovationen hervorbringen können. Jedoch werden gerade solche Querdenker in Bewerbungsprozessen oft übersehen oder als „nicht-kompatibel“ bewusst aussortiert. An dieser Stelle muss daher ein Umdenken stattfinden, um Innovationen im Unternehmen voranzutreiben. Dabei ist jedoch weniger eine Ansammlung möglichst vieler solcher Persönlichkeiten wichtig, als dass diese an wichtigen und den richtigen Schlüsselpositionen sitzen sollten. Innovationsprojekte müssen daher bewusst besetzt werden, sodass die Fachkräfte ihre individuellen Stärken ausspielen können. Das gilt auch, aber eben nicht nur, für die kreativen sowie innovativen Köpfe.

Eine innovative Atmosphäre kreieren

Nachdem die erste Herausforderung, überhaupt die besten Leute für entsprechende Schlüsselpositionen zu gewinnen, gemeistert wurde, sind Innovationen dennoch kein Selbstläufer. Die zweite Herausforderung für moderne Unternehmen besteht stattdessen darin, eine geeignete Atmosphäre zu kreieren, damit sich die Mitarbeitenden entfalten können – was auch für die Innovationstreiber in den jeweiligen Teams gilt. Denn innerhalb enger Grenzen und fester Strukturen fällt es Querdenkern oft schwer, ihr volles Potenzial zu entfalten.

Stattdessen benötigen sie einen gewissen Freiraum. Aus diesem Grund sind Innovationsvorhaben erfolgversprechender, je mehr Eigenständigkeit den betreffenden Mitarbeitern eingeräumt wird. Aber auch ausreichend Budget sowie eine räumliche Trennung, um sich in eine Art der „Kreativkapsel“ begeben zu können, wirken in den meisten Fällen förderlich.

Die 7 wichtigsten Fragen der Ideenfindung

Mit den richtigen Leuten und der richtigen Atmosphäre ist somit prinzipiell jedes Unternehmen in der Lage, innovativ(er) zu werden. Doch diese sind nur die Grundvoraussetzungen für einen erfolgreichen Innovationsprozess. Dieser selbst folgt wiederum unterschiedlichen Phasen. Erst einmal braucht es schließlich eine Idee, um diese anschließend in ein entscheidungsreifes Konzept übersetzen zu können. Der erste Schritt besteht deshalb darin, die richtigen Fragen zu stellen, damit solche Ideen entstehen können. Hierfür übernimmt ein Teammitglied die Rolle des Ideenautors und stellt entsprechende Vertiefungsfragen. Diese betreffen mindestens folgende sieben Kriterien:

  1. Welche ist die Problemstellung?
  2. Wie soll der Nutzen für den Kunden aussehen?
  3. Hat eine Idee überhaupt Marktpotenzial?
  4. Welche Ressourcen stehen zur Verfügung?
  5. Ist eine Idee umsetzbar?
  6. Wie wirkt sich eine Idee auf andere Produktkomponenten aus?
  7. Wie hoch wäre der Aufwand zur Umsetzung?

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Natürlich ist es wichtig, sich für die Beantwortung dieser Fragen ausreichend Zeit zu nehmen. Es geht nicht darum, theoretische Antworten zu finden und eine Innovation möglichst schnell auf den Weg zu bringen. Stattdessen müssen fundierte Lösungen für die Problemstellung gefunden werden. Dennoch ist der Zeitfaktor bei Innovationen natürlich stets auch von Bedeutung. Daraus ergibt sich ein Spannungsfeld für das Unternehmen, weshalb ein optimales Innovationsmanagement umso wichtiger ist.

Kreativitätstechniken – ja oder nein?

Um den Prozess der Ideenfindung zu beschleunigen, werden oft und gerne Kreativitätstechniken genutzt. Doch ihr Einsatz ist umstritten, denn jede Technik für sich bringt eben nicht nur Vor-, sondern auch spezifische Nachteile mit sich. Wo also auf der einen Seite Ideen entstehen können, werden auf der anderen Seite unter Umständen Ideen blockiert. Manchmal ist es daher wichtiger und sinnvoller, außerhalb der Schubladen zu denken und den Gedanken freien Lauf zu lassen. Trotzdem können Kreativitätstechniken diesen Prozess unterstützen, sofern sie richtig ausgewählt und angewendet werden. Schlussendlich muss jeder Mitarbeiter selbst erfahren, ob ihm eine Kreativitätstechnik bei der Entwicklung von Ideen hilft und welche – oder eher nicht. Einen Versuch sind die unterschiedlichen Techniken deshalb allemal wert.

Den Prozess zu dokumentieren ist das A und O

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In jedem Fall ist es wichtig, dass der Prozess der Ideensuche und -findung ausreichend dokumentiert wird. Denn oftmals sind es die im ersten Moment unterschätzten Ideen, Stichworte & Co, die später zur tatsächlichen Innovation taugen. Wurden diese jedoch nicht schriftlich festgehalten, geraten sie schnell in Vergessenheit. Erst einmal kann es daher sinnvoll sein, gewisse Stichworte schlichtweg aufzuschreiben und jede scheinbar noch so verrückte Idee zu benennen. Anschließend eignet sich das Mindmapping hervorragend, um in einem produktiven Gedankenaustausch den Ideen eine erste Struktur zu geben. Auch Kreativitätstechniken aus anderen Unternehmensbereichen wie dem Marketing lassen sich somit gut für den Innovationsprozess nutzen. Mittlerweile kann hierfür eine moderne Mindmap-Software genutzt werden, was zahlreiche Vorteile mit sich bringt, zum Beispiel die Freigabe in einer Cloud oder das Weiterarbeiten in anderen Programmen, sodass direkt ein digitales Innovationskonzept entstehen kann.  Aber nicht nur zur ersten Ideenfindung, sondern auch bei deren Konkretisierung, Ausarbeitung & Co kann das klassische Mindmapping eine hilfreiche Kreativitätstechnik darstellen.

Die Kreativitätstechniken im Überblick

Immer wieder kann es vorkommen, dass der Prozess ins Stocken gerät. Nicht nur zu Beginn, sondern fortwährend im Innovationsprozess können daher Kreativitätstechniken eingesetzt werden, um ein Problem zu lösen. Je nach Problemstellung, eignen sich hierfür unterschiedliche Techniken, sodass es auch darauf ankommt, die richtige Wahl zu treffen. Das klassische Mindmap ist somit zwar in den meisten Innovationsprozessen eine wichtige Stütze, jedoch längst nicht die einzige Möglichkeit, um die Kreativität anzukurbeln oder die Gedanken zu ordnen. Weitere beliebte Kreativitätstechniken im Innovationsmanagement sind zum Beispiel:

  • Kopfstandtechnik, bei der nach dem Umkehrprinzip die Fragen auf den Kopf gestellt werden.
  • ZAUBER-Formel als Analyse unbekannter Bedürfnisse (Z-eitfresser, A-ufwand, U-nwissen, B-udget, E-rgebnisse, R-isiko)
  • Methode 6-3-5, auch Brainwriting genannt, bei der sechs Teilnehmer je drei Ideen auf ein Blatt schreiben und diese anschließend von den anderen fünf Personen weiterentwickelt werden.
  • 5-Brillen-Blick als Perspektivwechsel, um neue Sichtweisen für die Ideenfindung zu gewinnen.
  • Vulkanausbruch für die Entwicklung von Geschäftsmodellen aus einem „Worst-Case-Szenario“.
  • Walt-Disney-Methode mit drei unterschiedlichen Rollen: Träumer, Realist und Kritiker.
  • GOLD-Test, der eine intuitive Bewertung von Ideen vornimmt (G-enial, O-riginell, L-eicht verständlich, D-enkbar)
  • SCAMPER Kreativitätstechnik in Form einer Checkliste. Hierbei werden bereits etablierte Produkte als Ausgangsbasis genutzt, um diese zu verändern oder zu verbessern.
  • 6-Hüte-System für unterschiedliche Betrachtungsweisen unter dem jeweiligen „Hut“: der Kreative, der Analytiker, der Emotionale, der Pessimist, der Optimist, der Strukturierte.
  • Umfeldanalyse, um Einflussfaktoren zu identifizieren und ein Ökosystem des Konzepts zu erstellen.

Damit ist die Liste noch lange nicht zu Ende, denn mittlerweile gibt es rund 350 unterschiedliche sowie etablierte Kreativitätstechniken, die (auch) in Innovationsprozessen angewendet werden können.

Fazit

Wichtig ist zu wissen, dass es bei diesen Kreativitätstechniken – vor allem zu Beginn – noch nicht um die Qualität von Ideen geht, sondern in der Regel um die Quantität. Mindmapping & Co helfen somit dabei, in weniger Zeit mehr Ideen zu generieren und diese aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten oder den Faden weiterzuspinnen. Denn wie bereits erwähnt, wird der Zeitfaktor bei Innovationen immer wichtiger. Die Kreativitätstechniken finden daher vor allem in der ersten Phase von Innovationsprozessen Einsatz, sprich bei der Ideenfindung. Sie können bei der Überwindung innerer Blockaden helfen und Hemmnisse abbauen. Wichtig ist aber, dass der jeweilige Ideenautor versteht, wann der Einsatz solcher Kreativitätstechniken sinnvoll ist und wann (noch) nicht, sodass die reine Dokumentation sowie Strukturierung der Gedanken erst einmal ausreicht. Ob eine Innovation entstehen kann und wie schnell, ist also von vielen verschiedenen Faktoren abhängig. Kreativitätstechniken alleine reichen hierfür nicht aus, können den Prozess aber unterstützen und somit das Innovationsmanagement beschleunigen sowie optimieren.

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