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Neuer entwickelter Methoden-Baukasten beseitigt Methodenkompetenzdefizite

Autor:

Prof. Dr.-Ing. Hartmut F. Binner

Es ist eigentlich sehr ungewöhnlich und auch gar nicht ganz nachzuvollziehen, dass die meisten seit Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts bekannten Management-, Qualitäts- und Optimierungsmethoden zur Handlungsbedarfsanalyse, -diagnose, -bewertung und Entscheidungsfindung in der Regel nur linear oder eindimensional Anwendung finden, obwohl es sich bei den Problemen meist um mehrdimensionale Fragestellungen handelt, die zu lösen sind. Auch eine aufeinander aufbauende Methodenvernetzung findet nicht statt. Die unmittelbare bzw. direkte Weiterverwendung der Kriterien oder Ergebnisse in anderen Methoden oder ein aufeinander bezugnehmende methodische Lösungsableitung ist eher eine Ausnahme.

Prof. Dr.-Ing. Hartmut F. Binner ist Gründer der Professor Binner Akademie und Vorstandvorsitzender der Gesellschaft für Organisation (gfo).

Bei der Ermittlung von Anforderungen, Belastungen, Kompetenz- aber auch bei Umsetzungs- oder Zufriedenheitsbewertungen wird ebenfalls häufig eine lineare und eindimensionale Notenskala beispielweise von eins (= nicht erfüllt) bis sechs (= voll erfüllt) verwendet, ohne dabei die zugrunde liegende Anforderungshöhe, Problemrelevanz oder andere Rahmenbedingungen zu beachten. Im Vergleich zu dem im neuen Buch „Methoden-Baukasten für ganzheitliches Prozessmanagement“ im Mittelpunkt stehenden MITO-Modell mit dem dazugehörigen vernetzten und mehrdimensional anwendbaren MITO-Methoden-Tool stellt sich deshalb das Ergebnis der klassischen Methodenanwendungen als sehr einseitig und beschränkt dar.

Ein weiterer wesentlicher Nachteil bei der Handlungsbedarfs- oder Problemanalyse und –lösungsfindung, aber auch bei Aufgaben-, Schwachstellen-, Potential- und Fehleranalysen liegt in der linearen Zuordnung der Kriterienarten-, Folgen-, Ursachen-, Entdeckungs- und Bewertungsbeziehungen. Ein vernetztes Lösungsdenken durch Aufzeigen der vorhandenen, bzw. möglichen Problemlösungsansätze in Form einer kaskadenförmigen Verknüpfung unterschiedlicher Zuordnungsdiagramme findet keine Beachtung. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Fehlermöglichkeitsanalyse (FMEA) oder auch Risikomöglichkeitsanalyse (RMEA), bei der zur Ermittlung der eindimensionalen Risikoprioritätszahl ebenfalls wieder eine lineare Produktbildung über 3 Faktoren (A = Auftreten x B = Bedeutung x E = Entscheidung) vorgenommen wird.

Das MITO-Methoden-Tool bietet – wie Abbildung 1 zeigt – eine ganze Anzahl von miteinander vernetzten softwaregestützten Methoden und Werkzeugen – in der Literatur häufig als japanische Management-, Qualitäts- oder KVP-Werkzeuge bezeichnet – zur Lösung und Entscheidungsfindung von komplexen Organisationsaufgabenstellungen innerhalb der 4 Segmente (Teilsysteme) des MITO Unternehmensmodells.

  • Bei diesen 4 Modellsegmenten handelt sich um:
  • Managementsegment (Führungsvorgaben = Act)
  • Inputsegment (Eingaben = Plan)
  • Transformationssegment (Umsetzung = Do)
  • Outputsegment (Ausgaben = Check)

Die systematische Vorgehensweise bei Anwendung dieses MITO-Methoden-Tools orientiert sich bei der Analyse, Diagnose, Umsetzung und Bewertung ebenfalls übergeordnet an den kybernetischen Regelkreisprinzipen nach dem PDCA (Plan, Do, Check, Akt) -Verbesserungszyklus und erfüllt damit die formalen Anforderungen nach einem ganzheitlichen und gleichgewichtigen Gestaltungsansatz mit untereinander ausgeglichenen Inhalten.

Wesentliches Kennzeichen des MITO- Methoden- Einsatzes ist als Ausgangspunkt die grundsätzliche zwei- beziehungsweise mehrdimensionale Handlungsbedarfsanalyse unter Verwendung von Portfoliomatrizen und Portfoliodiagrammen. Die beiden Portfoliohauptbewertungsachsen V (= vertikal) und H (= horizontal) lassen sich im Bezug auf die ausgewählte Problemstellung beliebig variieren. Die Portfoliomethode ist zwar seit Anfang der Fünfziger Jahre durch den Nobelpreisträger Markovic bekannt, der sie zur Aktien-Portfoliooptimierung entwickelt hat. Sie findet im Schwerpunkt bis heute als Instrument der strategischen Planung, insbesondere von Beratungsfirmen bei der Strategieableitung und Geschäftsfeldbestimmung Anwendung. Ein weiteres Defizit in der Praxis ist nach der einleitend geschilderten mangelhaften Problem-ursachenanalyse die derzeitig praktizierte Lösungsfindung und -bewertung. Es existieren zwar unzählige Beschreibungen über Verbesserungs- und Lösungskonzepte, die in den einschlägigen Management- und Fachbüchern erläutert sind, wie beispielsweise die Strategieansätze TQM, Kaizen, Six Sigma, Lean-Management und viele weitere mehr, aber auch hierbei fehlt es an systematischen Vorgehensweisen und -methoden; um bestehende Zusammenhänge und Spannungsfelder, zum Beispiel im Bezug auf Wichtigkeit/Dringlichkeit, Chancen, Risiken/Nutzen, Kompetenzen, Machbarkeit, Bedeutung, Potentialangebot, Einnahmen/Ausgaben und vieles andere mehr gleichzeitig zu erkennen, um die richtige Entscheidung aus der Anzahl möglicher Lösungsalternativen zu treffen. Ein Abgleich zu bestehenden Visionen, Missionen, Leitbildern, strategischen Ziel- und bereit initiierten Projekten findet aus den gleichen Gründen ebenfalls kaum statt. Dabei besitzt die Bewertung und Auswahl von Lösungen eine fundamentale Bedeutung für den Erfolg. Sie stellt eine Entscheidungssituation dar, die optimal überwunden werden muss, um das weitere Vorgehen fehlerfrei und verschwendungsfrei zu ermöglichen. Das Wissen um die Konsequenzen möglicher Fehlentscheidungen ist wesentlicher Bestandteil des Entscheidungsprozesses , umso mehr ist es verwunderlich das sich auch hier in der Praxis bisher keine Vorgehensweise durchgesetzt hat, die Chancen und Risiken, Stärken und Schwächen, Aufwand und Nutzen, Eintrittswahrscheinlichkeiten und Auswirkungen mehrdimensional miteinander in Beziehung setzt.

Mehr dazu erfahren Sie auf dem KVP Kongress 2015, Hr. Prof. Binner stellt in einem Vortrag das MITO Modell ausführlich vor.

Source: KVP Institut GmbH


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