branchenspezifische


« Zurück zum Lexikon

branchenspezifische

220px ISO 9001 in Tsukiji
Fischgroßhändler am Tsukiji-Fischmarkt, der mit einer ISO-9001-Zertifizierung wirbt

Eine Qualitätsmanagementnorm beschreibt, welchen Anforderungen das Managementsystem einer Organisation – sei es ein Unternehmen oder eine Behörde – genügen muss, um einem bestimmten Standard bei der Umsetzung des Qualitätsmanagements zu entsprechen. Es kann sowohl informativ für die Umsetzung innerhalb eines Unternehmens als auch zum Nachweis bestimmter Standards gegenüber Dritten dienen. Der Nachweis wird durch einen Zertifizierungsprozess mit anschließender Ausstellung eines zeitlich befristeten Zertifikates durch unabhängige Zertifizierungsstellen erbracht.

Die deutschsprachigen Ausgaben dieser Normen liegen inhaltsgleich, je nach Land als DIN (Deutschland, zweisprachig deutsch und englisch), ÖNORM (Österreich, einsprachig oder zweisprachig deutsch und englisch) oder SN (Schweiz, dreisprachig deutsch, englisch und französisch) – Normen vor (siehe Europäische Norm (EN)).

Die Internationale Ausgabe kann zusätzlich in Spanisch und Russisch bezogen werden. Die Englische Version liegt auch als "Redline" vor, hier werden alle Änderungen zur früheren Norm farbig hervorgehoben.[1]

ISO 9000 ff.

Mit der Normenreihe EN ISO 9000 ff. sind Normen geschaffen worden, die die Grundsätze für Maßnahmen zum Qualitätsmanagement dokumentieren. Gemeinsam bilden sie einen zusammenhängenden Satz von Normen für Qualitätsmanagementsysteme, die das gegenseitige Verständnis auf nationaler und internationaler Ebene erleichtern sollen.

Jedes Produkt (inklusive jeder Dienstleistung) unterliegt anderen spezifischen Anforderungen und ist demnach nur unter individuellen Qualitätssicherungsmaßnahmen zu erzeugen. Qualitätsmanagementsysteme hingegen sind nicht produktorientiert und daher abhängig von der Branche und den spezifischen Produkten und/oder Dienstleistungen sowie Verträgen mit Kunden individuell aufgebaut.

Das erfolgreiche Führen und Betreiben einer Organisation erfordert, dass sie in systematischer und klarer Weise geleitet und gelenkt wird. Ein Weg zum Erfolg kann die Einführung und Aufrechterhaltung eines Managementsystems sein, das auf ständige Leistungsverbesserung ausgerichtet ist, indem es die Erfordernisse aller interessierten Parteien berücksichtigt. Eine Organisation zu leiten und zu lenken umfasst neben anderen Managementdisziplinen auch das Qualitätsmanagement.

Die Normen EN ISO 9000:2000 ff. sind grundsätzlich prozessorientiert aufgebaut. Die Vorgängernormen ISO 9000:1994 ff. definierten 20 Elemente des Qualitätsmanagements, die den Standardprozessen der produzierenden Industrie von der Entwicklung über Produktion und Montage bis zum Kundendienst entsprachen, so dass der Aufbau der Vorgängernorm die Übertragung zum Beispiel auf Dienstleistungsunternehmen erschwerte, da es keine analogen Prozessbezeichnungen gab.

Entstehung der Normenreihe ISO 9000

Im Jahr 1979 begründete die British Standards Institution (BSI) mit dem BS 5750 den ersten Standard für Qualitätsmanagementsysteme, welcher als Vorläufer der ISO 9000er Serie gilt. 1987 wurde die ISO 8402 eingeführt, die im Jahr 2000 von der ISO 9000 Normenreihe abgelöst wurde.[2] Aus dieser Reihe wurde die ISO 9001 inzwischen zu einer der meistakzeptierten Normen im Qualitätsmanagement. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Normung (ISO) wurden bis Ende 2009 über 1 Mio. Zertifikate basierend auf der Norm ISO 9001 in über 170 Ländern erteilt.[3] In Deutschland besaßen 2012 rund 51.000 Organisationen eine derartige Zertifizierung.[4]

Inhalte der ISO-9000-Normenreihe

EN ISO 9000

Diese Norm definiert Grundlagen und Begriffe zu Qualitätsmanagementsystemen. Erläutert werden die Grundlagen für Qualitätsmanagementsysteme und die in der Normenreihe EN ISO 9000 ff. verwendeten Begriffe. Des Weiteren wurden in Kapitel 0.2 die acht Grundsätze des Qualitätsmanagements aufgelistet,[5] die seit der Revision 2015 nur noch "Sieben Grundsätze des Qualitätsmanagements" sind (auch in der ISO 9004 wird seit der Revision 2018 nun auf die Grundsätze der ISO 9000:2015 verwiesen).

  1. Kundenorientierung
  2. Verantwortlichkeit der Führung
  3. Einbeziehung der beteiligten Personen
  4. Prozessorientierter Ansatz und (früher eigenständig) Systemorientierter Managementansatz
  5. Kontinuierliche Verbesserung
  6. Sachbezogener Entscheidungsfindungsansatz
  7. Lieferantenbeziehungen zum gegenseitigen Nutzen

Die europäische Norm ISO 9000:2000 wurde in drei offiziellen Fassungen in englischer, deutscher und französischer Sprache veröffentlicht. Auch der prozessorientierte Ansatz des Qualitätsmanagements wird erklärt, basierend auf dem nach William Edwards Deming benannten Demingkreis (engl. auch Deming Cycle oder PDCA).

Die ISO 9000:2005 wurde überarbeitet und danach als Ausgabe ISO 9000:2015-11 veröffentlicht.

EN ISO 9001

EN ISO 9001 legt die Mindestanforderungen an ein Qualitätsmanagementsystem (QM-System) fest, denen eine Organisation zu genügen hat, um Produkte und Dienstleistungen bereitstellen zu können, welche die Kundenerwartungen sowie allfällige behördliche Anforderungen erfüllen. Zugleich soll das Managementsystem einem stetigen Verbesserungsprozess unterliegen.

Obwohl der prozessorientierte Ansatz schon mit der Revision 2000 eingeführt wurde, gab es doch erhebliche Probleme in der Umsetzung. Das soll durch die Revision erleichtert werden. Außerdem fordert die Norm einen verstärkt risikobasierten Ansatz. Ein formales QM-Handbuch wird nicht mehr notwendig sein, wenn die Organisation in anderer Weise eine angemessene Dokumentation zur Verfügung stellt. Auch einen „Beauftragten der obersten Leitung“ wird es im formalen Sinne nicht mehr geben müssen.[6]

Die aktuelle EN ISO 9001 wurde letztmals im Jahr 2015 überarbeitet (EN ISO 9001:2015-09). Als „Amendment“ tituliert, handelt es sich dabei um keine größere Änderung, sondern meist um Klarstellungen (etwa durch Wortwahl „gesetzliche und behördliche Anforderungen“, Definition „ausgegliederter Prozess“, Wortwahl „Kompetenz“ statt „Schulung“, Einführung des Begriffs „Risiko“ in der Einleitung).

Aufbauend auf der EN ISO 9001 existiert für die Serienfertigung der Automobilindustrie die IATF 16949. Verglichen mit der EN ISO 9001 stellt sie weitergehende Anforderungen an das Qualitätsmanagementsystem.

Revision der ISO 9001:2015

Im Jahr 2012 haben die ISO-Mitgliedskörperschaften eine formale weltweite Überprüfung der ISO 9001 beschlossen. Dabei hat sich eine Mehrheit der Befragten für eine Revision der Norm ausgesprochen. Die Neufassung der Norm ist im November 2015 verabschiedet worden. Zertifizierungsstellen gewähren üblicherweise eine dreijährige Übergangsfrist innerhalb der die QM-Systeme auf die neue Revision umgestellt sein müssen.

Die Struktur der neuen Revision orientiert sich an den in den festgelegten Grundstruktur für Managementsystemnormen (High Level Structure) und hat deshalb jetzt 10 statt bisher 8 Kapitel.

1Anwendungsbereich
2Normative Verweise
3Begriffe
4Kontext der Organisation
4.1Verstehen der Organisation und ihres Kontextes
4.2Verstehen der Erfordernisse und Erwartungen interessierter Parteien
4.3Festlegen des Anwendungsbereichs des Qualitätsmanagementsystems
4.4Qualitätsmanagementsystem und dessen Prozesse
5Führung
5.1Führung und Verpflichtung
5.1.1Allgemeines
5.1.2Kundenorientierung
5.2Qualitätspolitik
5.3Rollen, Verantwortlichkeiten und Befugnisse in der Organisation
6Planung für das Qualitätsmanagementsystem
6.1Maßnahmen zum Umgang mit Risiken und Chancen
6.2Qualitätsziele und Planung zu deren Erreichung
6.3Planung von Änderungen
7Unterstützung (Support)
7.1Ressourcen
7.1.1Allgemeines
7.1.2Personen
7.1.3Infrastruktur
7.1.4Umgebung zur Durchführung von Prozessen
7.1.5Ressourcen zur Überwachung und Messung
7.1.6Wissen der Organisation
7.2Kompetenz
7.3Bewusstsein
7.4Kommunikation
7.5Dokumentierte Information
7.5.1Allgemeines
7.5.2Erstellung und Aktualisierung
7.5.3Lenkung dokumentierter Information
8Betrieb (Operation)
8.1Betriebliche Planung und Steuerung
8.2Anforderungen an Produkte und Dienstleistungen
8.2.1Kommunikation mit den Kunden
8.2.2Bestimmen von Anforderungen in Bezug auf Produkte und Dienstleistungen
8.2.3Überprüfung von Anforderungen in Bezug auf Produkte und Dienstleistungen
8.2.4Änderungen von Anforderungen in Bezug auf Produkte und Dienstleistungen
8.3Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen
8.3.1Allgemeines
8.3.2Entwicklungsplanung
8.3.3Entwicklungseingaben
8.3.4Steuerungsmaßnahmen für die Entwicklung
8.3.5Entwicklungsergebnisse
8.3.6Entwicklungsänderungen
8.4Steuerung von externen bereitgestellten Prozessen, Produkten und Dienstleistungen
8.4.1Allgemeines
8.4.2Art und Umfang der Steuerung
8.4.3Informationen für externe Anbieter
8.5Produktion und Dienstleistungserbringung
8.5.1Steuerung der Produktion und der Dienstleistungserbringung
8.5.2Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit
8.5.3Eigentum der Kunden oder der externen Anbieter
8.5.4Erhaltung
8.5.5Tätigkeiten nach der Lieferung
8.5.6Überwachung von Änderungen
8.6Freigabe von Produkten und Dienstleistungen
8.7Steuerung nichtkonformer Prozessergebnisse, Produkte und Dienstleistungen
9Bewertung der Leistung
9.1Überwachung, Messung, Analyse und Bewertung
9.1.1Allgemeines
9.1.2Kundenzufriedenheit
9.1.3Analyse und Beurteilung
9.2Internes Audit
9.3Managementbewertung
9.3.1Allgemeines
9.3.2Eingaben für die Managementbewertung
9.3.3Ergebnisse der Managementbewertung
10Verbesserung
10.1Allgemeines
10.2Nichtkonformität und Korrekturmaßnahmen
10.3Fortlaufende Verbesserung

PDCA

Die 'High Level Structure' die nun auch für die ISO 9001:2015 umgesetzt wurde, orientiert sich am PDCA-Zyklus,[7] es können dem Zyklus folgende Normkapitel zugeordnet werden:

220px PDCA Cycle.svg
Phasen des PDCA-Zyklus
PhaseKapitelnummer und -titelErgänzung (in der ISO 9001)
Anm. 101: Anwendungsbereich
02: Normative Verweise
03: Begriffe
Plan04: Das Umfeld der Organisation
05: Führungsverhalten
06: Planung
zu 4: Interessierte Parteien bzw. Stakeholder und deren Erwartungen
Do07: Bereitstellung der Mittel, Unterstützung
08: Durchführung
zu 8: Produktion bzw. Dienstleistungserbringung
Check09: Bewertung der Leistung
Act10: Verbesserung
Anm. 1 Keine Phase des PDCA-Zyklus aber Bestandteil der 'High Level Structure'

EN ISO 9004

Die EN ISO 9004 stellt einen Leitfaden bereit, der sowohl die Wirksamkeit als auch die Effizienz des Qualitätsmanagementsystems betrachtet. Dieser enthält Anleitungen zur Ausrichtung eines Unternehmens in Richtung Total-Quality-Management (TQM), ist aber keine Zertifizierungs- oder Vertragsgrundlage.

Stattdessen kann sie als Anleitung zur Selbstbewertung genutzt werden. Im Anhang gibt es dazu Listen die zu den einzelnen Forderungen konkrete Hinweise zu den "Reifegraden" geben (Reifegrad 1 stellt die Minimalforderungen dar, Reifegrad 3 sollte von einer ISO 9001-Zertifizierten Unternehmung erreicht werden und Reifegrad 5 orientiert sich an der Spitzenleistung im jeweiligen Sektor).

Die EN ISO 9004 stellt eher das „Managementdesign“ (ein Management-Modell und kein eigenes Managementsystem) dar. Die konkrete Umsetzung der EN ISO 9004 entspricht weitestgehend dem EFQM-Modell, das keine Norm ist, sondern ein umfassendes ganzheitliches Qualitätsmanagementsystem im Sinne von Total-Quality-Management (TQM) und z. B. die Protokollierung der Qualitätsprüfungen und der Qualitätskontrollen beinhaltet.

Mit Ausgabedatum Dezember 2009 liegt eine Neufassung der EN ISO 9004 mit dem Titel „Leiten und Lenken für den nachhaltigen Erfolg einer Organisation – Ein Qualitätsmanagementansatz“ vor.

Die Kapiteleinteilung entspricht in etwa der Struktur der alten ISO 9001:2008 und damit leider nicht der High Level Structure.

3Begriffe
3.1nachhaltiger Erfolg
3.2Umfeld einer Organisation
4Leiten und Lenken für den nachhaltigen Erfolg einer Organisation
4.1Allgemeines
4.2Nachhaltiger Erfolg
4.3Das Umfeld der Organisation
4.4Interessierte Parteien, Erfordernisse und Erwartungen
5Strategie und Politik
5.1Allgemeines
5.2Konzeption von Strategie und Politik
5.3Umsetzung von Strategie und Politik
5.3.1Allgemeines
5.3.2Prozesse und Vorgehensweisen
5.3.3Umsetzung
5.4Kommunikation von Strategie und Politik
6Management von Ressourcen
6.1Allgemeines
6.2Finanzielle Ressourcen
6.3Mitarbeiter der Organisation
6.3.1Mitarbeiterführung
6.3.2Kompetenz der Mitarbeiter
6.3.3Einbindung und Motivation der Mitarbeiter
6.4Lieferanten und Partner
6.4.1Allgemeines
6.4.2Auswahl, Evaluierung und Verbesserung der Fähigkeiten von Lieferanten und Partnern
6.5Infrastruktur
6.6Arbeitsumgebung
6.7Wissen, Information und Technologie
6.7.1Allgemeines
6.7.2Wissen
6.7.3Information
6.7.4Technologie
6.8Natürliche Ressourcen
7Prozessmanagement
7.1Allgemeines
7.2Prozessplanung und -lenkung
7.3Prozessverantwortung und -befugnis
8Überwachung, Messung, Analyse und Bewertung
8.1Allgemeines
8.2Überwachung
8.3Messung
8.3.1Allgemeines
8.3.2Entscheidende Leistungskenngrößen
8.3.3Internes Audit
8.3.4Selbstbewertung
8.3.5Benchmarking
8.4Analyse
8.5Bewertung der durch Überwachung, Messung und Analyse erhaltenen Informationen
9Verbesserung, Innovation und Lernen
9.1Allgemeines
9.2Verbesserung
9.3Innovation
9.3.1Allgemeines
9.3.2Anwendung
9.3.3Zeitliche Planung
9.3.4Prozess
9.3.5Risiken
9.4Lernen
Anhang AWerkzeug zur Selbstbewertung
A1Allgemeines
A2Reifegradmodell
A3Selbstbewertung von Schlüsselelementen
A4Ausführliche Selbstbewertung der einzelnen Elemente
A5Verwendung der Selbstbewertungswerkzeuge
A6Ergebnisse der Selbstbewertung und Planung von Verbesserungen und Innovationen
Anhang BGrundsätze des Qualitätsmanagements
B1Einleitung
B21. Grundsatz: Kundenorientierung
B32. Grundsatz: Führung
B43. Grundsatz: Einbeziehung der Mitarbeiter
B54. Grundsatz: Prozessorientierter Ansatz
B65. Grundsatz: Systemorientierter Managementansatz
B76. Grundsatz: Ständige Verbesserung
B87. Grundsatz: Sachbezogener Ansatz zur Entscheidungsfindung
B98. Grundsatz: Lieferantenbeziehungen zum gegenseitigen Nutzen
Anhang CEntsprechungen zwischen ISO 9004: 2009 und ISO 9001: 2008
Literaturhinweise

DIN EN ISO 19011

Diese Norm gibt eine Anleitung zur Umsetzung von Auditprinzipien, zum Management von Auditprogrammen und zur Durchführung von Audits für Qualität- und Umweltmanagementsysteme. Ferner gibt sie eine Anleitung zur Qualifikation von Auditoren. Sie ist anwendbar für interne und externe Audits.[8]

EN ISO/IEC 17021

Diese Norm enthält Anforderungen an Stellen, die Managementsysteme auditieren und zertifizieren.

Bedeutung

Drei Bereiche lassen sich für die Bedeutung einer Einführung von ISO 9000 herausstellen: Marktstrategie, Zukunftssicherung und rechtliche Aspekte. Bedeutsam ist, dass die Normen selbst keinen Rechtscharakter haben, vielmehr werden die Managementsysteme auf freiwilliger Basis durch eine für diese Aufgabe akkreditierte Stelle zertifiziert. In Anwendung der EU-Vorschriften existiert in jedem EU-Land nur noch jeweils eine nationale (zentrale) Akkreditierungsstelle, welche die Zertifizierungsstellen akkreditiert. Mit diesem Verfahren soll eine zuverlässige Ausführung der durch die Normen festgelegten Vorgaben gesichert werden.

In Deutschland wurde durch das Gesetz über die Akkreditierungsstelle[9] gemäß Artikel 4 Absatz 1 der Verordnung (EG) Nr. 765/2008 die Deutsche Akkreditierungsstelle[10] mit der Aufgabe beliehen. Der Gesetzestext meint mit dieser Bezeichnung das alleinige Recht, die Kompetenz der zertifizierenden Stellen zu bestätigen und zuzulassen, also zu akkreditieren.

In der Schweiz wird diese Aufgabe durch die Schweizerische Akkreditierungsstelle (SAS) wahrgenommen.

Marktstrategische Bedeutung

Aus marktstrategischer Sicht dient ein Zertifikat dazu, einem Unternehmen den Standard seiner Prozesse und Produkte oder Dienstleistungen nachzuweisen. Für Hersteller, Zulieferer und große internationale Unternehmen kann das Zertifikat als zwingend betrachtet werden, um überhaupt Aufträge einer gewissen Größenordnung zu bekommen.

Zukunftssicherung

Die Einführung eines guten QMS hilft einem Unternehmen bei der Weiterentwicklung des eigenen Potentials. Ein QMS, welches den Anforderungen der Normenreihe genügt, ist somit ein Weg, ein Unternehmen – trotz des Wandels und der dadurch veränderten Rahmenbedingungen und Anforderungen – zukunftssicher zu gestalten und zu lenken.

Rechtliche Bedeutung

Rechtlich gesehen werden nur die Normen EN ISO 13485 für Medizinprodukte, sowie die ISO 9000 ff. Normenreihe für alle anderen Produkte, als einzige Zertifizierungsgrundlagen von allen nationalen Normungs- und Zertifizierungsgesellschaften in der EU und weitgehend weltweit akzeptiert. Damit bieten diese Normen eine rechtliche Basis, die gerade für international tätige Unternehmen von großer Bedeutung ist. Dies ist insbesondere bei der Produkthaftung ein wesentliches Argument, welches für die Zertifizierung eines Unternehmens spricht.

Zurückgezogene Normen

Folgende Normen wurden zurückgezogen:

EN ISO 8402:1994

enthielt „Qualitätsmanagement und QualitätssicherungBegriffe“ und definierte die Grundbegriffe für die Qualitätskonzeption, wie sie für Erzeugnisse und Dienstleistungen, für die Vorbereitung und Anwendung von Qualitätsnormen und für das gegenseitige Verständnis bei der internationalen Kommunikation angewendet werden sollten. Sie wurde im Dezember 2000 zurückgezogen und durch EN ISO 9000:2001 ersetzt (jetzt EN ISO 9000:2005).

EN ISO 9001:2008

wurde im November 2015 zurückgezogen und durch die EN ISO 9001:2015 ersetzt.

EN ISO 9000:2000

wurde im Dezember 2005 zurückgezogen und durch die EN ISO 9000:2005 ersetzt.

EN ISO 9002:1994

betrachtete nur einen Ausschnitt aus dem Entstehungsprozess eines Produktes, indem sie nur Produktion und Montage im Blick hatte, also die Bereiche, in denen Zulieferer ihre Teilaufgaben erfüllten. Diese Norm hat mit der Revision der Normenreihe zum Qualitätsmanagement (ISO 9000ff) im Jahr 2000 ihre Gültigkeit verloren. In einer Übergangsfrist bis Ende 2003 gab es noch Zertifikate nach dieser Norm.

EN ISO 9003:1994

machte Aussagen zur Qualitätssicherung im Bereich von Verantwortlichkeit, Fehlerkorrektur und anderes. Diese Norm ist zwischen Zulieferer und Abnehmer anwendbar, wenn beim Zulieferer ein bewährtes Qualitätssicherungssystem besteht. Diese Norm hat mit der Revision der Normenreihe zum Qualitätsmanagement (ISO 9000ff) im Jahr 2000 ihre Gültigkeit verloren. In einer Übergangsfrist bis Ende 2003 gab es noch Zertifikate nach dieser Norm. Kurioserweise hat diese Norm in der Medizintechnik weiterhin Gültigkeit. Da es für die EN 46003:1999 noch immer keine Nachfolgenorm analog zur EN ISO 13485:2003 gibt, kann die EN ISO 9003:1994 in dieser Branche weiterhin als Zertifizierungsgrundlage angewandt werden.

QS 9000

QS 9000 war ein Qualitätsstandard, der gemeinschaftlich von den Automobilherstellern General Motors, Chrysler und Ford entwickelt wurde. Er wurde ab 1994 in der Automobilindustrie angewendet. Der Standard teilte sich in drei Abschnitte.

  • Teil 1: ISO 9001 mit einigen Erweiterungen für Anforderungen in der Automobilindustrie.
  • Teil 2: Zusätzliche Anforderungen, die von den drei genannten Automobilherstellern übernommen wurden.
  • Teil 3: Systemanforderungen, die für einzelne Hersteller spezifisch sind.

Am 14. Dezember 2006 wurden alle drei Teile zurückgezogen. Die QS 9000 wurde von der ISO 9001 und der ISO/TS 16949 ersetzt. Die ISO/TS 16949 wurde 2016 durch die IATF 16949 ersetzt.

Umsetzung im betrieblichen Rahmen

Bei der Einführung eines Qualitätsmanagementsystems nach EN ISO 9001 in einer Organisation kann die Entwicklung in eine von drei Phasen eingeteilt werden.

  1. Betriebe, die vor der Einführung eines Qualitätsmanagementsystems stehen;
  2. Betriebe in der Einführungsphase kurz vor der Zertifizierung und
  3. Betriebe, die bereits zertifiziert sind und dieses System weiterhin verfolgen.

Bei Betrieben die bereits ein QM-System haben, dieses aber für eine ISO-Zertifizierung umstellen wollen, muss das bestehende System in einzelne Abläufe und Verfahrensbeschreibungen zerlegt, die einzelnen Prozesse auf Aktualität, Angemessenheit, Plausibilität und Notwendigkeit geprüft werden und abschließend die Abläufe nach neuen Gestaltungsprinzipien wieder zusammengefügt werden.

Branchenspezifische Normen

Es gibt eine Reihe von branchenspezifischen Normen und anderen Spezifikationen zum Qualitätsmanagement, die teilweise als Ergänzungsnormen zur ISO 9001 oder als Leitfaden verfasst sind.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. DIN Verlag (= Beuth); ISO 9001:2015.
  2. ISO 8402:1994 Quality management and quality assurance -- Vocabulary. International Organization for Standardization, abgerufen am 17. August 2017 (englisch).
  3. The ISO Survey of certifications 2009. 18. Ausgabe (2010), ISBN 978-92-67-10535-2.
  4. Klaus Petrick, Frank Graichen: 25 Jahre ISO 9001: Erfolgsweg einer Systemnorm. In: Qualität und Zuverlässigkeit. 57. Jg., Nr. 3, 2012, S. 26–28.
  5. DIN EN ISO 9000:2000-12, Abschnitt 0.2.
  6. Frank Bünting, Thomas Votsmeier, Ronald Menacher, Leo Stühler: "QM wird Chefsache!" in QZ – Qualität und Zuverlässigkeit 7/2014.
  7. „Qualitätsmanager (TÜV)“; Schulungsunterlagen der TÜV Süd Akademie; 2017.
  8. ISO 19011:2011, deutsche Fassung, S. 8.
  9. AkkStelleG.
  10. DAkkS.
Print Friendly, PDF & Email
« Zurück zum Lexikon (Übersicht)