Rückrufe 2020: Über 13 Millionen fehlerhafte Autos sind eine Hausnummer


Es zeigen sich immer mehr sprichwörtliche Kratzer im Lack der heißgeliebten und hochgelobten Automobilindustrie; Abgasmanipulationen, Elektrifizierungsstau und Rückrufwellen scheinen an der Tagesordnung zu sein. Unabhängig von Ausreißern, also den großen Skandalen und einhergehenden Rückrufen beispielsweise wegen fehlerhafter Airbags, scheint sich die Anzahl der jährlich zurückgerufenen Autos auch so, immer weiter zu erhöhen. Laut Zahlen der Plattform „finbold.com“, wurden bereits zwischen Januar und Juli weltweit circa 13,3 Millionen Fahrzeuge wegen verschiedenster Mängel zurückgerufen.

Über 13 Millionen fehlerhafte Autos sind eine Hausnummer

Deutsche Hersteller weniger betroffen

Ein kleiner Trost hierzulande dürfte es sein, daß erst auf dem zehnten Platz mit Volkswagen ein deutscher Automobilhersteller zu finden ist. Ganz weit oben rangiert Toyota mit immerhin fast 4 Millionen betroffenen Fahrzeugen. Wir erinnern an dieser Stelle, die Zahlen spiegeln lediglich die Monate Januar bis Juli 2020 wieder! Wie kommen diese immens anmutenden Zahlen zustande trotz enormer Bemühungen der Industrie um Qualität und Fehlerfreiheit? Dafür lohnt es die Werte in einen Kontext zu setzen; bildet man eine Quote aus der Anzahl der zurückbeorderten Fahrzeuge im Verhältnis zu den Neuwagenzulassungen im selben Zeitraum, so werden im Durchschnitt der letzten Jahre ca. 157 % mehr Fahrzeuge zurückgerufen als neu zugelassen werden. Die Rückrufe betreffen dabei in der Regel Modellreihen aus der Vergangenheit und nicht aus dem selben Produktionsjahr; unter Umständen können sogar 20 Jahre alte Autos betroffen sein.

Komplexität der Systeme nimmt zu

Behalten wir nur den deutschen Markt im Blick, so steigt auch hier die Kurve signifikant an. Das allerdings bedeutet nicht zwingend, daß die Material- oder Fertigungsqualität irgendwie abnimmt. Die Probleme entstehen eher durch eine deutliche Zunahme der Komplexität verbauter Systeme (Elektrifizierung, Assistenz- und Lenksysteme, etc.). Gleichzeitig führten und führen die vielen kleinen Skandale zu einer Verschärfung der rechtlichen Grundlagen und gleichzeitig zu einem genaueren Hinsehen der Behörden. Und wer mehr nach Fehlern sucht, wird schließlich auch mehr Fehler finden.

Fazit

Zwar sieht es so aus, als kämpfe die Automobilindustrie mit einem Qualitätsproblem, die einen mehr, die anderen weniger, allerdings waren noch nie so viele Elektronische- und sicherheitsrelevante Systeme in einem Auto verbaut, wie in den Modellen, die aktuell die Fliesbänder verlassen. Das Dilemma an hochentwickelten Systemen ist, je komplexer diese ausgelegt sind, desto schadensanfälliger können sie sich zeigen. Auf sie zu verzichten scheint aber auch keine tragfähige Lösung zu sein.

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