Re: Philosophie kommt vor den Werkzeugen


[ Kommentare ] [ Schreiben eines Kommentars ] [ Forum Qualitätsmanagement ]

Nachricht von Wolfgang Horn am 02. Januar 2005:

Im Bezug auf: Re: Philosophie kommt vor den Werkzeugen kommentiert von steffen.h. am 01. Januar 2005:

Hi, steffen,


Ich: "Sobald Du im Unternehmen eingebunden bist, mußt Du Dich an die Gesetze und Regeln der Unternehmenskultur halten. Oder Dir droht das Schicksal des Giordano Bruno".

Du: "Ist das ernst gemeint? ich kenne das Schicksal von Giordano Bruno nicht.."
Sollten alle, die mit innovativen oder gar revolutionären Gedanken spielen, gelesen haben.
Der Arme hat durch Galileos Teleskop geschaut und begriffen, daß das Universum voll ist von Planeten - und Lebewesen.
Das hat er veröffentlicht, und für diese Blasphemie hat die Kirche ihn verbrannt.

Der Arme hat eben nicht resultatorientiert gedacht. Sonst hätte er seinem Papst gesagt, in den Sternen warteten jede Menge Heiden, und die müsse man bekehren.
Tja, so ist das halt mit Leuten, die über die Begeisterung über eine Erkenntnis kurzsichtig werden.


"...aber, ist man nicht Betriebsblind wenn man nicht fortlaufend alles in Frage stellt anstatt nur mit dem Strom laufen zu wollen..."
Antwort von Radio Eriwan: Im Prinzip ja.
Aber da gerade die Führungskräfte verantwortlich sind für das aktuelle Ist, wird jede Kritik am Ist automatisch zur Kritik an den Führungskräften.

Einen kritikfähigen Punkt zu finden ist kinderleicht gegenüber der Kunst, seine Führungskräfte zu bewegen, die Kritik wohlwollend aufzunehmen und bei ihren Entscheidungen zweckmäßig zu berücksichtigen.

"...komme ich immer auf den gleichen negativen Gedanken bin ich schon blind um falsche Gegebenheiten schon garnicht mehr erkennen zu können!?"
So groß Deine Erfahrung, so treffsicher Dein Gespür, Deine Intuition, beim Erkennen von Mißständen.
Aber so voll Dein Kopf von widersprüchlichen Theorien, so unsicher Deine Interpretationen.

"Ist mein tun und wirken oder einflußnehmen die richtige Richtung, oder noch schlimmer sind alle so still weil sie einfach wollen das ich endlich den Mund halte?"
Wie Dein Rufen in den Wald aufgenommen wird, merkst Du am Echo.
Eine unverzichtbare Kunst für jeden, der was erzählen oder gar verändern will, ist die Kunst, dies Echo zu hören und wenigetens einigermaßen treffend zu interpretieren.

Als ich klein war, kannte ich einen Unternehmer. Über den gespottet wurde, weil er sich von Zeit zu Zeit mit seinen Pförtnern unterhielt und mit den Hauspostboten.
Aber der war gar genausowenig dumm wie der Autofahrer, der auf das Brummen des Motors und das Schmatzen der Reifen hört.

"Der Hahn passt sehr gut in die heutige Zeit, je mehr die Gewohnheit einzug hält umso größer ist der Richtungsverlust in Hinsicht auf das Ziel das man zu verfolgen sucht."
Das wäre dumm. Denn in der Marktwirtschaft mit ihrer Konkurrenz hat jedes Unternehmen nur ein einziges wichtigstes Ziel: Zukunft. Alles andere ist sekundär. Die Wege sind unterschiedlich.

"Wenn unsere Hennen schon in sich reinlachen und wir es zu spät merken, sind sie aber doch froh wenn wir ihnen zeigen wo die Körner liegen oder wenn wir sie vor den Fuchs beschützen."
Überheb Dich nicht. Wo die Körner liegen, wo die Füche lauern, und wo es hingehen muß, das spüren die Hennen/Indianer oft besser als die Hähne /Häuptlinge.
Wer studiert hat, mag gelernt haben, dasselbe kunstvoller, beeindruckender und unverständlicher zu formulieren. Er mag auch gelernt haben, das alltägliche Geschehen in all seiner Vielfalt wie ein Karikaturist auf das zu reduzieren, was ihm gerade wichtig vorkommt, den Rest zu übersehen, und das vermeintlich Wichtige lautstark zu beschreiben. Mit viel Glück hat er tatsächlich was Wichtiges aufgetan.

"Ach noch eins zu den Managern die ja anscheinend die Sonne sind, das sehe ich anders..."
Geschenkt.
Ich fand den Vergleich reizend - und habe ihn weiter getrieben.

"Die Schwäche der Sonne können wir uns nicht so einfach erklären (oder wir wollen es nicht erklären) aber der Wind ist ein Verbündeter den ich vergessen habe einzuweihen, und nicht gesagt habe wann er mich unterstüten soll."
Wenn wir bei Sonne und Wind bleiben, dann tun wir noch Unwetter, Stürme hinzu und denken unsere Unternehmen als Schiffe und die Konkurrenz als Flotte.
Das Unwetter betrifft dann alle gemeinsam, und für jeden Chef / Kapitän kommt es drauf an, aus dem gemeinsamen Unwetter besser herauszukommen als die Konkurrenten.
Und dazu muß er Mannschaft und Schiff "im Griff" haben.
Er ist für alles verantwortlich - außer den Randbedingungen, die für alle gelten.

"Beispiel;Es gibt wirklich Studenten, angehende Manager die Wege suchen aus irgend welcher Literatur oder durch Erzählungen von Fachtheoretikern praktischen Wissens zu erfahren um dieses Wissen in ihr Vorgehen an der Basis zu integrieren, das geht nicht, denn nicht alle Unternehmen sind gleich!!."
Luftfahrtingenieure stellen auch fest, daß jeder Flugzeugtyp ein Unikat ist und eng genommen so unvergleichbar mit anderen Typen, wie die Piloten jedem Typ ein eigenes "Flugverhalten" zuordnen.
Aber Du kannst einem guten Luftfahrtingenieur die Konstruktionsunterlagen für einen neuen Typ vorlegen, der rechnet ein wenig herum und sagt Dir vor dem ersten Testflug, ob das Ding überhaupt fliegen kann oder welcher Konstruktionsfehler einen Absturz garantiert.
Nichts anderes mache ich, wenn ich mir die Schaltung eines Empfängers anschaue.
Im Vorteil ist eben, wer besser verstanden hat, wie ein Flugzeug funktioniert, ein Radioempfänger , ein Team oder eben ein ganzes Unternehmen.

"kann ich Theorie abgleichen, sind Verhaltensmuster und Abläufe verschiedener Unternehmen eigendlich auf einen Nenner zu bringen"
Tja, wenn das Wörtchen "wenn" nicht wäre.
Den Abgleich widersprüchlicher Theorien fand ich so schwer, daß ich mir meine eigene gemacht habe.
Aber diesmal aus seiner anderen Sicht, mit bisher unüblichen Fragestellungen wie der Fragestellung "wie funktioniert Teamarbeit?" statt "welche Charaktermerkmale machen die herausragende Führungskraft aus?"

"Lebensmittelverpackungen..."
Was daran Randbedingung ist, das betrifft Eure Konkurrenz gleichermaßen.
Im Vorteil ist der Kapitän, der ein Gespür für das Wetter hat und Ahnung von den großen Wetterströmungen im Hintergrund.
Vielleicht müßt Ihr den einen oder anderen Frührentner um Rat fragen - und hoffen, daß der keinen Grund für Rachegefühle hat.


"Überlieferten Erfahrungen haben nur den Sinn.."
Nein, mehr Sinn. Sie sind besser und zuverlässiger für den, der (noch) keine eigenen Erfahrungen hat.
Über Jahrhunderte gewachsene Bauernregeln über das Wetter (bis auf die mit dem krähenden Hahn auf dem Mist) sind durchaus gute Hinweise. Aber nur in der Region, in der sie entstanden sind.

"...oder meinen Weg, wie der Weg des Lebens mit lauter Schlaglöchern"
Tja, die bequem gepflasterten Wege führen meist in den Schlachthof, dorthin, wo Gewiefte abzocken wollen. Schon die Bibelweisen kannten den Vergleich mit dem dornigen Weg.
Denn wer etwas erreichen will in der Konkurrenz, der muß kämpfen und Hürden überwinden. Bequem macht man es den Lege- und Schlachthennen, damit sie fleißig Eier legen und das Fleisch schön zart ist.
Aber sollte das eine neue Erkenntnis sein?

Ciao
Wolfgang



Kommentare:



Formular für Ihren Kommentar

Name:
E-Mail:

Betreff:

Kommentar:


[ Kommentare ] [ Schreiben eines Kommentars ] [ Forum Qualitätsmanagement ]

Version: 1.09
Ranking-Hits
TrafficRank.de kostenlose Statistik mit PageRank-Anzeige ohne Toolbar