Re: Philosophie kommt vor den Werkzeugen


[ Kommentare ] [ Schreiben eines Kommentars ] [ Forum Qualitätsmanagement ]

Nachricht von Wolfgang Horn am 01. Januar 2005:

Im Bezug auf: Philosophie kommt vor den Werkzeugen kommentiert von Florian am 31. Dezember 2004:

Ja, Florian,

Danke für die Neujahrswünsche - und mögen der allgemeine Leidensdruck und die Hoffnungslosigkeit uns dies Jahr die Ohren öffnen!

"Folgende Gedanken beschäftigen mich seit geraumer Zeit."
Sorry, mit ergebnisorientierten Worten: Du beschäftigst Dich mit Zusammenhängen. Die Dir wohl richtig vorkommen.
Und jetzt vermute ich:
a) Aber Du siehst eine Diskrepanz zwischen diesen Zusammenhängen, wie Unternehmen und Führungskräfte bessere Ergebnisse erwirtschaften könnten und dem Ist.
b) Du ahnst und rätselst ein wenig, wie es zu dieser Diskrepanz kommen konnte, was sie bewirkt, wie sie zu überwinden sei, und wie Du mit dieser Überwindung Deinen Kunden Nutzen schaffen kannst.

(Kurze Erläuterung zum "Trick" hinter diesen Sätzen: Manche Probleme machen wir uns selbst unlösbar, indem wir uns selbst in die passive Rolle denken, die ohnmächtige. Als würde man sich im Schachspiel absichtlich in eine Situation manövrieren, die bestenfalls Patt ist.
Sich in die aktive Rolle zu denken bringt allein noch keine Lösung, aber es bringt uns ihr näher.
Dieser "Trick" scheint mir eigentlich zu banal, um auch nur erwähnt zu werden. Deshalb muß der Zuhörer ihn eigentlich als beleidigende Belehrung empfinden.
Aber in Politik, Wirtschaft und Privatleben erlebe ich den Denkfehler (aus resultatorientierter Sicht) der selbstgewählten Ohnmacht alltäglich. Und gleichzeitig erzählen mir dieselben auto-ohnmächtigen Personen "bei uns / mir ist alles im grünen Bereich, läuft optimal, das geht nicht besser!")

"Wir diskutieren in diesem Forum oft über Werkzeuge und Modelle und geraten dann in heftige Diskussionen wegen den verschiedenen Führungsphilosophien, die in diesem Forum vertreten sind."
Die Diskussion über Führungsphilosophien ist so unnütz wie die Diskussion, welchen Namen Gott nun wirklich habe - Brahma, Allah, JHW, Manitou, Branwen oder "meine Herzallerliebste" :-).

Weil:
Entweder informieren wir über Zusammenhänge. die kausal sind zwischen Wirkung und Ursache, und naturwissenschaftlich belegbar. Oder wir diskutieren über Zusammenhänge, die genau das eben nicht sind.
Im ersten Fall gibt's eigentlich keine lange Diskussion, sondern Zweifel, Verständnisfragen, ein "aha, so könnte das sein, probieren wir es mal" und ein "Donnerwetter, geht ja viel besser so. Ja, habe ich eigenlich schon immer geahnt."
Im zweiten Fall sind die Diskussionen entweder überflüssig, weil der andere sowieso zustimmt. Oder die Diskussion unter konsequenten Personen tendiert entweder Richtung Glaubenskrieg, oder unter inkonsequenten Richtung Unendlichkeit, weil der andere nun seine Philosophie aufdeckt und verteidigt - und weil die Richtigkeit beider Theorien weder belegbar noch widerlegbar ist.
Wie eben zu Zeiten der Alchimisten und Quacksalber.

Konkret zu Deinen Thesen - ich stimme ihnen fast völlig zu und könnte jede einzelne logisch belegen. (Die Logik ist aber oft nicht gefällig.)

Mein Einwand gilt dem Grundsätzlichen: Grundsätzlich ist die Gültigkeit aller Grundsätze beschränkt.
Am Beispiel Flugzeug: Der Grundatz "Ziehen am Höhenruder läßt das Flugzeug steigen" gilt nur solange, bis die Fluggeschwindigkeit so weit abgemagert ist, daß die Strömung über den Tragflächen abreißt, die Maschine abkippt und im Flachtrudeln schließlich im Aufschlagbrand endet.
Oder sie gilt - bei klassischen Höhenruderprofilen - nur bei Fluggeschwindigkeiten < Mach 1.

Deswegen: Wer mit solchen Grundsätzen diskutiert, wird oft das "Ja, aber..." derjenigen erleben, die nun Gegenbeispiele bringen. Welche durchaus richtig sind - und dann sind wir in der Diskussion wieder in der Patt-Situation.

Meine Lösung: Keine Grundsätze, aus denen der Zuhörer den Anspruch auf allgemeine Gültigkeit heraus lesen könnte. Sondern genau die kausalen Wirkungen und Wechselwirkungen, mit denen wir Techniker und Ingenieure die Naturkräfte beherrschen und nutzen. Dieses Denken auf den Bereich der sogenannten Soft Facts übertragen.

Leider erfordert analytisches Denken mehr Weitsicht als Basta!-Brüllerei.

"...gewissen Grundsätzen möchte ich aber einmal auf den Grund gehen..."
War das erstmal tief genug? ;-)

Ciao
Wolfgang



Kommentare:



Formular für Ihren Kommentar

Name:
E-Mail:

Betreff:

Kommentar:


[ Kommentare ] [ Schreiben eines Kommentars ] [ Forum Qualitätsmanagement ]

Version: 1.082
Ranking-Hits
TrafficRank.de kostenlose Statistik mit PageRank-Anzeige ohne Toolbar