Der wahre Nationalsport der Deutschen: Manager-Bashing


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Nachricht von Wolfgang Horn am 23. Februar 2005:

Im Bezug auf: Re: Nebenwirkungen und Risiken der Vorgesetzenbeurteilung kommentiert von Birgit am 23. Februar 2005:

Danke, Birgit, und ein fröhliches Moin von der Isar,

"Bestimmte Fragen, die den Vorgesetzten negativ erschienen, für die eigene Führungsqualität, konnte ich nicht einbringen. Nun steh ich da und muss sehen, wie ich weiterkomme."

Fußball, heißt es, sei der Deutschen Nationalsport.
Mag sein - jedenfalls am Samstag nachmittag und abend.

Aber von Montag morgen bis Freitag 15:00 ist es eher "Manager-Bashing", zumindest im Geiste seinen Chef abzuwaschtn für seine Dreistigkeit, uns trotz seiner für uns Mitarbeiter so offensichtlichen Inkompetenz Anweisungen erteilen zu wollen.
Wir fachlich kompetenten Mitarbeiter halten uns natürlich für viel zu vornehm, um in die sumpfigen Niederungen des Managerdaseins abzusteigen...

Zudem führen viel zu viele Manager einen Zweifrontenkrieg, denn sie sind ja zugleich auch Mitarbeiter ihres Vorgesetzten.
Wie der Kommissar in den meisten Fernsehkrimis - er kämpft einen heldenhaften Kampf gegen den listigen, schlauen Mörder und zugleich einen verlorenen Kampf gegen seinen dumm-frechen Kriminalrat.

Fernsehproduzenten meinen halt, das käme an beim Publikum.

In den paar Fällen, wo ich eine durchgeführte Vorgesetztenbeurteilung beobachten durfte, da hatte die erste Führungsriege schon lange auf die "Lähmschicht" des mittleren Managements gewettert, die sei unfähig bis bösartig unwillig, ihre klugen und höchst notwendigen Strategien umzusetzen.

Nachher lachten Teile der Belegschaft über geknickte Team- und Abteilungsleiter im Seminar "soziale Kompetenzen" (ich vermute, der Personalentwickler war sich bewußt, wie dies Signal der "Zwangstherapie" den gewünschten Effekt des Seminars an sich mehr als kaputt machen kann, aber der Zorn seines GF war wohl größer als dessen Bereitschaft, seinem Experten zuzuhören), andere nahmen noch geknickter ihre persönliche Entsorgung hin (Frühpensioniering).

Hinweis für alle, die solch eine Aktion "Vorgesetztenbeurteilung" vorhaben:
1. Nicht ohne willensstarke Forderung der höchsten Autorität im Unternehmen.
2. Nicht ohne einen unterschriebenen Arbeitsvertrag beim nächsten Arbeitgeber. Denn wer in der Stabsleiste eines Unternehmens zum Mittäter wird in solch einer Gemeinheit gegen das mittlere Management, der findet sich anschließend im "Treibsand" wieder, im zumindest passiven Widerstand eben jenes mittleren Managements.


Wolfgang


P.S. zur Abgrenzung: In meiner erdachten Nuts&Bolts GmbH gibt's den Herrn König als GF, einen Herrn Graf als Leiter Produktion und einen Herrn Baron als Projektleiter.
Natürlich muß sich jeder dieser Chefs persönlich informieren über die Qualität der Führungstätigkeit seiner führenden Mitarbeiter.
Natürlich muß er offen sein für Mißfallensbemerkungen und Beschwerden der Mitarbeiter.

Aber er darf diese Bemerkungen und Beschwerden n i c h t nach den Maßstäben der Mitarbeiter bewerten, sondern nur nach seinen eigenen. Ansonsten verliert er an Anerkennung seiner Mitarbeiter als Chef, der weiß, wo es hingehen muß. Und ohne diese Anerkennung müßte er konsequenterweise sein Gehalt ebenso reduzieren, wie er das eines Lagerarbeiters reduzieren würde, der sich mutwillig einen Arm abgeschnitten hat.

"Wichtig scheint es mir aber..., durch persönlichen Verkehr mit den Leuten, durch teilnehmendes Eingehen in ihre kleinen Wünsche und Bedürfnisse, durch Aufrechterhaltung ihrer Hoffnung auf Zukunft einen guten Geist unter den ... Leuten zu erhalten resp. zu erwecken. ... Wenn die Leute nicht immer per wir in Geschäftsangelegenheiten sprechen, nicht Gelegenheit haben, sich bei Ehren und Sorgen des Geschäfts beteiligt zu fühlen, so kann man kein treues Festhalten, auch in trüberen Zeiten, verlangen und erwarten. Meine Praxis, stets mit allen tüchtigen Leuten im Privatverkehr umzugehen, als wären sie ganz meinesgleichen, und geschäftliche Angelegenheiten, die sie angehen, so mit ihnen zu besprechen, als wären es ihre Sachen so gut wie die meinigen - eine Praxis, die mir übrigens natürlich, daher auch kein weiter Verdienst ist - hat sich stets als sehr zweckmäßig erwiesen. Einige Male lade ich jährlich Werkführer und Bürobeamte ein etc.. Das erweckt persönliches Attachement, welches manches andere erleichtert. Strenge verträgt sich damit sehr wohl." (Werner von Siemens)



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