Nachricht von Wolfgang Horn am 01. Januar 2004:
Im Bezug auf: Re: "Kampfstern in der Packung Kartoffelchips" - Haftpflicht für Berater kommentiert von Florian Padrutt am 31. Dezember 2003:
Hi, Florian,
: auch noch am letzten Jahrestag voll am Ball...
Von wegen. Vor Schüttelfrost kann ich dertzeit nicht richtig schlafen, und dann bibbere und schwitze ich lieber vor dem Rechner, als die Zimmerdecke anzustarren und mich hin- und her zu wälzen.
: Ich bin nicht einverstanden mit der Aussage von Malik. Jeder Chef bewegt sich in einem System, dass nicht von ihm alleine gestaltet worden ist.
Jede Führungskraft ist zuerst einmal selbst Mitarbeiter - mit Ausnahme des geschäftsführenden Gesellschafters, des Unternehmers, der sein eigenes Vermögen eingesetzt hat.
: Beispiel: Herr "Besitz" ist Eigentümer der Firma und hat diese die letzten 20 Jahre aufgebaut. Er hat einen strengen Führungsstil gepflegt - Gehorchen kam vor Denken.
Wie eben der Herr Besitz hier.
Wer immer für ihn arbeitet, der hat einen Arbeitsvertrag unterschrieben mit Pflichten. Und Gegenpflichten wie beispielsweise "Gehalt".
Herr Besitz ist letztlich verantwortlich für die Folgen des Kampfsterns in den Kartoffelchips.
(Hallo Leute, ich befürchte, meine Idee, mir das Metall im Nahrungsmittel als Kampfstern vorzustellen, hat mich selbst vorsichtig gemacht im Umgang mit Nahrungsmitteln. Der Kampfstern ist nicht so ohne weiteres nicht aus dem Hinterkopf zu verbannen. 'Tschuldigung.)
Klugerweise wird Herr Besitz eine Haftpflichtversicherung für seine Firma abgeschlossen haben.
: hier der Ist jetzt der Meister für alle Fertigungsprobleme verantwortlich? Aus Malik's Sicht schon!
Und - Malik hat Recht. Wenn Herr Besitz seine Chipmaschinen zu 120% auslasten will und daher jegliche Prüfung und Wartung verbietet, dann hat der Meister aus seinem Arbeitsvertrag die Pflicht, Herrn Besitz zu informieren über die Folgen und Risiken, die er damit eingeht. Dazu genügt DIN A5 quer, zur eigenen Entlastung auch in den eigenen Akten abgeheftet.
Mag sein, daß Herr Besitz sagt "trotzdem! Angsthase, brummel brummel...". Dann muß Herr Meister gehorchen (sofern er damit nicht gegen Gesetze verstößt), er hat sich mit der Meldung aber selbst vor dem Schwarzen Peter geschützt.
; Einfach jemandem die Verantwortung zuschieben, der nicht in der Lage ist "am" System zu arbeiten, ist Nötigung und hat mit Führung wenig zu tun.
So, nun nehmen wir Herrn Meister. Der aus Angst vor "Brummel, brummel" den rechten Arm mit 10 Grad Erhöhung ausstreckt, die Hacken zusammenschlägt und ruft: "Heil Besitz, ich bin ein Profi, ich gehorche, 120% Auslastung, jawoll! Sofort! Keine Inspektionen mehr! Wird schon gut gehen..."
Dann bringt ihn der Staatsanwalt Herrn Meister und Herrn Besitz zu Recht in den Knast für den gemeinsam druchgeführten Totschlag am Chipesser.
Florian, wer das Recht auf Weisungen reklamiert und ausübt, der ist auch für die Folgen daraus verantwortlich.
Ich nenne das "AKV: Heilige Dreieinigkeit von Aufgabe, Kompetenz und Verantwortung". Sie kann nicht aufgebrochen werden.
Wer die Verantwortung delegiert für die Erledigung einer Aufgabe, der kann selber nur gemäß seinen arbeitsvertraglichen Pflichten handeln, wenn er dafür sorgt, daß dieser Mitarbeiter auch die notwendigen Fähigkeiten hat und das notwendige Werkzeug.
Wenn Herr Besitz das nicht macht, vernichtet er sein eigenes Kapital und geht zu Recht pleite. Dann werden seine Arbeitnehmeer arbeitslos. und das ebenso zu Recht, wer ein Boot besteigt, sollte vorher prüfen, ob wieviel Löcher die Borwand hat und wie tüchtig der Kapitän ist.
: ...Malik. Seine Aussage bringt keine Fimra weiter, sondern erhöht nur den Druck auf den Chefs. Es wiegelt auch die oberste Führung in Sicherheit.
Nein, dieser Druck besteht von Anfang an. Wer eine Aufgabe delegiert, muß das richtig tun, sonst vernichtet er Kapital und wandert vielleicht sogar in den Knast.
: Der Meister ist ja dafür verantwortlich, also können wir dies im Moment vergessen!
Der Meister hat zu melden, in welchen Zeitabständen die Maschinen überprüft werden müssen. Herr Besitz hat die Verantwortung nach wie vor.
: Für mich heist Verantwortung übernehmen nicht, einen Schuldigen zu haben, sondern jemanden der sich um seinen Berich und die Firma mit bestem Wissen und Gewissen kümmert. Die Vorstellung, dass ich Probleme löse indem ich Verantwortliche bestimme, kann ich nicht teilen.
So ist das.
Florian, dies und AKV sind banal. So schrecklich banal, daß so mancher, der auf Wolke 17 der neuesten Managementmode schwebt, sie vielleicht naserümpfend übersieht. Aber damit liegt er grottenfalsch - die Balance auf zwei Beinen zu halten ist auch banal, (naja, hätte ich beim Leeren des Sekts im Kühlschrank geleert wie geplant, wäre Balance vielleicht etwas weniger banal..).
Würden manche Führungskräfte ihre Arme und Beine so bewegen, wie sie banale Management-Wahrheiten ignorieren, sie wären als Spastiker schon am Horizont zu erkennen.
Florian, die Managementmodewellen sind das vielleicht größte Qualitätsproblem. Weil die hochgestochenen Managementsysteme die Führungskräfte verwirren.
: Einen guten Rutsch und viel Erfolg im nächsten Jahr,
Toi, toi, toi, möge die Wirtschaft sich besser erholen, als zu befürchten ist.
Ciao
Wolfgang