Nachricht von Oliver am 26. November 2003:
Im Bezug auf: Wirtschaftssystem? kommentiert von Wolfgang Horn am 24. November 2003:
: Ich höre die Koryphäen der VoWi in ihren Fernsehbotschaften über Wettbewerbsfähigkeit reden, daß der Kündigungsschutz zu hoch wäre und die Unternehmen ruiniere, daß, daß, daß - mit anderen Worten: Aus Sicht der hohen amerikanischen Standards verlieren wir, wir müssen uns an die USA anpassen.
Diesen Koryphäen stören mich auch gewaltig. Bei denen habe ich oft den Eindruck, sie werden von UN gesponsert und picken sich für diese die Rosinen aus dem Hire&Fire-System. Kein Wort darüber, daß viele amerikanische UN ihren MAs die private Krankenversicherung bezahlen, was mittlerweile zu einem Problem wird. Denn der sogenannte Wettbewerb verteuert die Kosten im Gesundheitswesen und senkt sie nicht wie in D immer behauptet wird. Es gibt jetzt sogar mehrere amerikanische Wirtschaftswissenschaftler, die zwecks Kostenreduktion eine GKV fordern.
Ich weiß nicht mehr genau für welchen Automobilkonzern, ich glaube Ford war es, gilt bei der Kündigung von MAs eine volle Lohnfortzahlung von einem Jahr, eine Weiterzahlung von 70% für ein weiteres Jahr und im nächsten Jahr 50% (die Zahlen weiß ich nicht mehr genau, aber das Strickmuster stimmt). Die Zahlungen enden entweder, wie oben erwähnt nach 3 Jahren oder wenn der ehemalige MA einen neuen Arbeitsplatz hat.
Zusätzlich bezuschussen die meisten amerikanischen UN die private Altersvorsorge.
Man sieht die Amerikaner haben sehr wohl ihre Lohnnebenkosten nur anders und von flexibleren Gewerkschaften und Betriebsräten ausgehandelt. Diese Flexibilität würde ich mir auch in D wünschen.
Diese Gerede von hohen Lohnkosten geht mir auf die Nerven. Zwar sollte man aufpassen, daß sie nicht ausufern, aber wer glaubt durch eine ausgelassene Lohnerhöhung und weglassenes Weihnachts- und Urlaubsgeld konkurrenzfähig zu sein kann wohl nicht rechnen. Wie will man konkurrenzfähig sein, wenn mit Ländern konkurriert, in denen für 2,50€/Tag (ich betone: Tag!!!) gearbeitet wird? Wenn der Qualitätsbegriff nur auf das Produkt bezogen wird, sind diese Länder in vielen Bereichen (leider) konkurrenzfähig.
Was bleibt übrig?
Wir müssen die besseren Produkte haben. Das heist für mich: Viel mehr die Kundenwünsche vor der Entwicklung berücksichtigen und auch dann in der Entwicklung umsetzen. Eine Paradebeispiel für Fehlentwicklungen ist die Handybranche. Die meisten Leute (wie ich auch), die ich kenne, wollen damit einfach nur telefonieren können. Wenn das aber so weiter geht, können die Dinger bald toasten. Wer braucht das. Aber ein Handy zu bekommen, das im Sommer nicht vom Schweiß in der Hosentasche zerstört wird ist Mangelware.
Ein weiterer Punkt ist für mich: Hochlohnländer müssen innovativer sein, um die besseren Produkte zu haben. Ich weiß fast jeder hält sich für innovativ. Ich meine Querdenker, die man auch mal läßt und die man nicht abblockt mit der Begründung, das ginge eh nicht oder das habe man schon immer anders gemacht. Man nennt solche Gegenargumente nicht umsonst Killerphrasen. Man bedenke, die größten Erfindungen, die unser gesellschaftliches Leben veränderten, stammten von eben diesen Querdenkern.
Ein weiteres Mittel ist der Verbraucher, solange er z. B. Kinderarbeit nur anprangert und zu bequem (oder was auch immer) ist dagegen zu handeln, werden UN weiter im Ausland produzieren. Als Beispiel für die Macht des Verbrauchers möchte ich Brent Spar und Shell erwähnen. Für mich persönlich ist das Buch "Schwarzbuch Markenfirmen" (Autoren weiß ich jetzt nicht, kann ich aber bei Interesse nachreichen) ein "Einkaufsleitfaden" geworden. Für letztes Jahr habe ich mir die Mühe gemacht und einmal ausgerechnet , daß mich das Handeln nach ethischen Aspekten keine 10% mehr gekostet hat. Was sind 10% mehr gegenüber einem Sozialhilfesatz (Wenn er überhaupt irgendwann noch bezahlbar ist!)? Wer aber sagt, er könne eh nichts ausrichten hat schon verloren. Wie gesagt, die Masse machts und mittelfristiges Denken.
Als Infoquelle gibt es nicht nur oben erwähntes Buch. In unserer Informationsgesellschaft kommt eigentlich jeder, der will an entsprechendes Material. Für mich der Grund, warum z. B. Linux so erfolgreich ist. Jeder, der dieses OS hat braucht Infos und gibt seine eignen Infos weiter. Solange dies so bleibt wird der Pinguin den Redmondern auch noch ein bißchen "wehtun".
Ich hoffe Ihr fühlt Euch nicht zugesülzt.
MfG