Nachricht von Wolfgang Horn am 24. November 2003:
Im Bezug auf: Treffer auf des Nagels Kopf kommentiert von Vivian am 24. November 2003:
Hi, Vivian,
: sie haben den Nagel im Grunde auf den Kopf getroffen -
Danke. Ich fürchte, daß ich hierin Recht habe.
Volkswirtschaft ist mir aber viel zu hoch.
Ich höre die Koryphäen der VoWi in ihren Fernsehbotschaften über Wettbewerbsfähigkeit reden, daß der Kündigungsschutz zu hoch wäre und die Unternehmen ruiniere, daß, daß, daß - mit anderen Worten: Aus Sicht der hohen amerikanischen Standards verlieren wir, wir müssen uns an die USA anpassen.
Aber das ist, als wolle man die Fußball-Bundesliga, immerhin Vizeweltmeister, nach den Standard der American Football League beurteilen: Viel zu sanft, die Hände werden gar nicht eingesetzt, viel zu wenig Panzerung...
Unsere Arbeitskultur ist eben nicht die des Hire&Fire und des verinnerlichten Zwangs zur begeistert-kritiklosen Zustimmung: "Yes, Sirr, yes! I'll invent the perpetuum mobile, you'll have no problems, I'm your man, man, eh!"
Unsere Arbeitskultur ist eben nicht in Einwanderungswellen entstanden, sondern aus dem Handwerk des Mittelalters heraus gewachsen: Sehr viel mehr Miteinander, sehr viel mehr engagiertes Mitdenken, viel mehr Fürsorge der Arbeitgeber gegenüber ihren Arbeitnehmern, viel geringere Fluktuation, viel höhere Qualifikation der Arbeiter.
In dieser hochqualitativen Arbeitskultur wirkt die Anwendung der Erfolgsrezepte aus der Kultur des Hir&Fire, als wolle Hertha BSC den Durchbruch in der Bundesliga schaffen durch Anwendung von Erfolgsrezepten aus der National Football Legea.
So dumm ist kein Fußballtrainer.
Leiter von Projektorganisationen auch nicht, aber was sollen sie tun, wenn man ihnen Checklisten andient, die zu US-amerikanischen Idealen passen.
Volkswirtschaft ist zu hoch. Aber im eigenen Bereich können wir wenigstens ein wenig tun.
Ciao
Wolfgang