Nachricht von Wolfgang Horn am 18. November 2003:
Im Bezug auf: Re: Und wieder gegen die Betriebswirte ...... Protest!!!! kommentiert von Tim Gerdes am 18. November 2003:
Hallo zurück, Vivian und Tim,
: hier muss ich denn doch einmal der Vivian beistehen und der Betriebswirtschaftslehre eine Lanze brechen!
Ich unterteile die BWL >nicht< nach Disziplinen.
Sondern stelle nur fest: >Ihr< habt hervorragende Modelle, wie Geld funktioniert. Wie die Technik eines Prozesses funktioniert, die eines Unternehmens.
Taylors Modell vom Menschen ist eine gute Arbeitsgrundlage - wo die Arbeiter dazu passen: Unqualifiziert, eifrig aus Armut und jederzeit kündbar.
Das aber gilt nicht mehr für High-Tech-Industrie - Taylors Modell ist aber leider nie abgelöst worden durch eines, das besser paßt. Die Folgen dieses Verlustes sind vergleichbar den Folgen für meine Zunft der Hochfrequenznachrichtentechnik und des Antennenbaus, wenn die Maxwell'schen Gesetze der Wellenausbreitung plötzlich nicht mehr gelten sollten: Alle Antennenkonstruktionen sind Schrott. In der Zeit eines fehlenden tauglichen Modells der Wellenausbreitung hätten Scharlatane freie Hand, ihre Wunderkonstruktionen anzupreisen. Bis zum ersten Feldversuch kann sie ja keiner widerlegen, und ernüchternde Ergebnisse der ersten drei Feldversuche ließen sich noch den Monteuren anlasten.
Also, liebe BWL'er aller Disziplinen, fühlt nicht euch selbst angegriffen. Sondern fordert von Euren Zulieferern, die sollen endlich passende Modelle vom menschlichen Streben und Verhalten liefern!
Die wilde Konstruktion von neuartigen Wunder-Managementkonzepten trotz fehlender Grundlagen aber ist eine grob fahrlässige Disziplinlosigkeit, die nicht nur Arbeitsplätze vernichtet, sondern auch Kapital in großem Ausmaß.
Zu den "jungen Schnöseln": Wer in seiner Jungeingenieurzeit nicht versucht hat, die Antennentechnik auf den Kopf zu stellen und seine Wunderantenne zu skizzieren, der ist kein echter Antennenbauer.
Diese Phantasie und Selbstüberschätzung gehören nun mal zu blauen Augen und der Naivität des Unerfahrenen.
Wenn eine Wissenschaft als Disziplin aber nicht genügend Disziplin aufbringt, diese "jungen Schnösel" zu bremsen, bevor sie ernsthaften Schaden anrichten, dann stimmt was mit der Disziplin nicht.
Im Rotweingespräch könnten wir ja mal die Kriterien für Wissenschaftlichkeit erörtern und diesen Maßstab an verschiedenen Wissenschaften anlegen. Dann wird die BWL gut abschneiden - dort, wo ihre Modelle fundiert sind.
Ciao
Wolfgang Horn