Nachricht von Vivian am 18. November 2003:
Im Bezug auf: Re: Und wieder gegen die Betriebswirte ...... Protest!!!! kommentiert von Wolfgang Horn am 17. November 2003:
Hallo Wolfgang,
selbst wir (vernünftigen - es soll sie tatsächlich geben) Betriebswirte haben begriffen, das der Taylorismus endgültig überholt ist. Taylorismus ist die Verachtung des Individuums, wie die Messung des Menschen über Assessment-Center und Behandlung des Individuums als menschliche Ressource. Das Wort Menschenmaterial ist mir in einer Personalabteilung schon untergekommen. Ich gehe davon aus, der Personalreferent war ein Betriebswirt.
Taylorismus ist doch weiß Gott nicht der einzige Inhalt des BWL-Studiums. Personalmanagement und Führung sind aktuell - die Qualität ist natürlich abhängig vom Professor. Ich habe mich mit der theoretischen Seite des Innovationsmanagementes quälen müssen - jetzt weiß ich wenigstens was tatsächlich diesen Namen verdient und was nicht.
Ein Unternehmen darf sich jedoch nie zugunsten höchster Qualität vom betriebswirtschaftlichem Denken abkoppeln - das geht schief.
Es muss immer die Frage erlaubt sein und auch mit Nachdruck gestellt werden, für wieviel Qualität ist der Kunde bereit zu zahlen? Wieviel Mehr an Qualität honoriert der Kunde? Wie sieht die Qualitäts-/Kostenkurve aus?
Wer diese Grundsätze missachtet, führt sein Unternehmen gnadenlos in den wirtschaftlichen Untergang!
Die BWL hat sich in den letzten Jahrzehnten einen zweifelhaften Ruf erworben. Die Universitäten haben Heerscharen ausgebildet. Jeder Absolvent hatte den Antrieb, so schnell wie möglich auf einem Chefposten zu gelangen. Gemessen die Leistung wird heute immer noch anhand von Kosteneinsparungen und Gewinnmaximierung.
Lean-Management = wir werfen alle Mitarbeiter raus und stellen die Produktion ein, dann haben wir keine Kosten mehr. ...
Trennen Sie sich von den weltfremden und engstirnigen worthülsennachbetenden managementmodenverliebten Zahlenknechten in ihrer Umgebung - es gibt Alternativen.
Hier fehlt einfach Qualität in den Modellen vom menschlichen Verhalten, die Deiner Zunft gegeben werden. Und so schwach diese Qualität, so schwach die Gegenargumente der schwachen Klugen gegen die Willkür der Mächtigen.
Ketzerische Frage: Haben Sie sich in ihrem technischem Studium mit Personalführung, Psychologie/Soziologie auseinandersetzen müssen? Oder haben sie sich die Grundlagen später angeeignet und mit gesundem Menschenverstand gepaart? Ich begegne in meinem derzeitigen Arbeitsfeld immer wieder Menschen, die technische Berufe studiert haben um eben nicht unbedingt Menschen führen zu müssen. Plötzlich müssen sie führen - und genau so plötzlich scheitern sie kläglich, weil sie zwar verstehen, wie eine Maschine tickt aber nicht wie ein Mensch reagiert. Sie begreifen nicht, warum ein Mitarbeiter ihre Anweisungen unterwandert oder eben nicht stur nach Anweisung arbeitet.
Ich habe unsere neuen Mitarbeiter (frisch von der Uni) befragt, was sie an der Uni zum Thema hören. Dieser Abriss ist allerdings höchst oberflächlich, theoretisch und endet tatsächlich beim Taylorismus. Hier muss ich erst Verständnis schaffen.
Viele Grüße nach München
Vivian
PS.:
"Damit Ihr BWLer auch die Menschen wieder erfolgreich einplanen könnt."
Bitte werfen Sie nicht alle BWLer in einen Topf (Ansprache "IHR") - in diesem Topf komme ich mir reichlich fremd vor.