Nachricht von Vivian am 17. November 2003:
Im Bezug auf: Risiken und Nebenwirkungen Management kommentiert von Wolfgang Horn am 17. November 2003:
Hallo Wolfang,
ich muss meinen Berufsstand energisch verteidigen und hier eine Lanze brechen!!!
Es gibt scheinbar einen ewigen Konflikt zwischen Technikern und Betriebswirten. In jedem Unternehmen (was ich kenne) zeigt er die gleichen Symptome und Wirkungen.
Was ist mit Armortisationsrechnungen - wenn ich sie mal von der Investition in ein bestimmtes Werkzeug/Maschine abkopple?
Was ist mit der GuV?
Was ist mit der Simulation von Gewinnen und finanziellen Erfolgen - Gewinnvorausrechnung/-prognose?
Ich denke, jeder Controller oder Innenrevisor zieht einem QMB oder Projektleiter die Hosen stramm, wenn er zwar ein super perfektes Projekt abliefert aber keinen Gewinn zu verbuchen hat.
Das erste Ziel des Unternehmens ist es, Geld zu verdienen!!! Je mehr Gewinn ich einfahre, desto angenehmer kann ich mir den Weg dahin gestalten - z. B. Einsatz moderner Technik.
Wenn das Unternehmen auf 150 Prozent powern muss, um sich am Leben zu erhalten und keine Zeit = Geld in strukturelle Umbrüche investieren kann, ist es eh irgendwann vorbei oder der "Himmel" schickt eine glückliche Fügung.
Nicht die Betriebswirtschaft ist schuld, sondern jede Menge von schillernden Seifenblasenproduzenten, welche die BWL und deren elementaren Grundregeln vergessen haben und sich allein an Spiegelung ihrer Seifenblasen ergötzen.
Diese Seifenblasenproduzenten leben jedoch ausschließlich von Führungskräften, die an die Leichtigkeit der Seifenblasen (leichter Gewinn mit minimalem Aufwand) glauben und sich blenden lassen. Es sitzen häufig genug Nieten an beiden Seiten des Verhandlungstisches.
Es gibt zweifellos unter uns auch eine große Zahl vernagelter Zahlenknechte, die nur an die Zahl glauben.
BWL lebt nicht von schönen schillernden Worten, sondern von Zahlen (Marketing und Volkswirtschaft mit ihren tollen realisätsfremden Modellen schließe ich aus der Beurteilung aus.
Wie immer macht es die vernünftige Mischung aus gesundem Menschenverstand, Fachkenntnis und Weitblick. Das Ziel eines Unternehmens völlig unabhängig von irgendwelchem Managementmoden sollte doch sein, seine Prozesse effizient und gewinnorientiert zu organisieren, die Mitarbeiter aktiv an der Gestaltung mitwirken zu lassen und dann noch den Kunden zufrieden zustellen.
Was nützt ein super ergonomischer Prozess, wenn er keinen Gewinn abwirft?
Was nützt ein total zufriedener Mitarbeiter, wenn der Kunde Schund bekommt?
Was bringt ein gewinnmaximierender Prozess, wenn meine Mitarbeiter abspringen und das Unternehmen als Sklaventreiber verrufen ist?
Seien sie gnädig mit den Betriebswirten.
Viele Grüße
Vivian
PS.:
Ich habe vor kurzem ein wirklich interessantes und innovatives Unternehmen bei seinem Insolvenzgang beobachten dürfen. Das Unternehmen wurde geführt von idealistischen und kreativen Ingenieuren. Diese Leitung hat sich jedoch irgendwann von der wirtschaftlichen Basis und der Zahlenklauberei losgesagt, um diesem ständigen Clinch Techniker - Betriebswirt zu entgehen ..... und Ende.