Kulturlogische Bewertung


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Nachricht von Vivian am 27. Februar 2003:

Im Bezug auf: "The Six Sigma Way", kulturlogische Bewertung kommentiert von Wolfgang Horn am 26. Februar 2003:

Hallo

Für mich ist Literatur zur Managementmethoden ein Werkzeug, unterstützt die Ideenfindung und eröffnet den Blick für Alternativen – quasi auch ein „Medikament“ gegen Betriebsblindheit. Ich werde angehalten, bestimmte Verfahren und Vorgänge unter einem anderen Blickwinkel zu betrachten, neu zu überdenken und Verbesserungsmöglichkeiten zu erkennen.

Ich kenne jedoch Vertreter des hohen Managementes, für die muss jedes Ding einen markigen Namen haben. Die kaufen die Managementmethoden von der Stange. Was sie nicht schwarz auf weiß fein säuberlich aufbereitet bekommen, existiert nicht und selbst denken ist ja auch unbequem, auf Argumente/Vorschläge der Mitarbeiter hören = Schwäche und Gesichtsverlust der Führungskraft. Diskussionen mit den Mitarbeitern ............ Beteiligung mündiger Mitarbeiter .............? Weiter unten habe ich ein interessantes Zitat gelesen: „Die Kunst des Managements besteht ohnehin darin, mit weniger Wissen, als es die Mitarbeiter haben, diese zu führen.“ (Pietschesrieder). Wer gibt schon zu, dass er als Führungskraft nicht die absolute Kontrolle hat. Managementmethoden dienen oft nur als Placebo um Symptome der Unfähigkeit zu bekämpfen.

Wenn ich als QMB vorschlagen würde: dieser oder jener Ansatz aus Six Sigma passt auf das Unternehmen bzw. auf einen bestimmten Unternehmensbereich, aber ein anderer Ansatz meinetwegen EFQM passt besser zum Personalmanagement, und schon habe ich ein Problem. Dann hat die Goldene Kuh keinen Namen mehr und ich werde gefragt: „Ja was machen wir denn nun eigentlich? Was können wir nach außen verkaufen?“ „Wir arbeiten nach der Six Sigma-Methode“ – klingt doch schon besser und auch in den Ohren meiner Shareholder.

Damit lassen sich auch die unbequemen wichtigen Aspekte formal verteidigen und vor allem nach unten durchreichen. Die Umsetzung und Konsequenz wird dann von den anderen, nachgeordneten Mitarbeitern, gefordert.


Dazu fällt mir spontan die Garde der Banker ein. Wenn ich heute von der Bank einen Kredit haben möchte, um eine einzigartige Technologie am Markt zu positionieren, bekomme ich garantiert keinen Kredit, wenn ich den Bankern meine Technologie erkläre. Denn es steht nirgendwo schwarz auf weiß, dass ich mit dieser Technologie maximalen Erfolg haben könnte. Die Banker verstehen von der Technologie nichts und kennen den Markt nicht = maximales Risiko. Aber eine Show wie „Deutschland sucht den Super-Star“, oder wahlweise Managementmethode xyz, kann ich bestimmt finanzieren obwohl in ein paar Monaten das Licht ausgeht. Hauptsache die Medien schillern bunt und verheißungsvoll und alle sind so hysterisiert und blind, das Begeisterung zum Gesetz wird.

Was solls, meine Erfahrungen mit dem "hohem" Managment habe ich auf einem unteren Level gemacht, auf dem sich eh niemand um die Professionalität des Managementes schert oder auch nur ein Fachbuch zu dem Thema in die Hand nimmt. Aber auch solche Manager leiten Unternehmen.

Vivian






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