Anonym :-) (1 Leser) (1) Gast
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WolfgangHorn_
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Hi, Frank,
: Hallo Wolfgang, übertreib's nicht!
Die Gefahr besteht, ja.
Aber - "übertrieben in Bezug auf was?"
Die Klarheit der Wege der Wirkungen und Nebenwirkungen ist mir wichtiger als die möglichen Einbußen des persönlichen Geschäftlichen.
Die Quantifizierung und Bilanzierung der Wirkungen und Nebenwirkungen ist dann noch ein weites Feld.
Ciao
Wolfgang Horn
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Juergen_
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Hallo,
das finde ich wirklich sehr aufdringlich, nein entschuldigung, fürsorglich von Euch, dass Ihr Euch so um meine Autorität und deren angeschlagenen Status kümmert.
Auch auf die Gefahr hin, Wolfgang, Dich zu enttäuschen: es geht hier um ein anderes Thema. Hier stehen nicht interne Reibereien oder Positionskämpfe zur Frage, sondern eher Marketing und Vertriebsunterstützung. In unserem Marktsegment ist Zuverlässigkeit und Sicherheit das Aller-Aller-Wichtigste. Unsere Kunden verwenden unsere Software, um ihre Produktion zu sichern. Fällt unsere Software aus, dann stehen Maschinen still, die einfach nicht stillstehen dürfen. Deshalb wollen wir den Kunden auch "äußerlich", nämlich durch Zertifikate von objektiven Organisationen nachweisen, dass auf unsere Firma Verlass ist. Sowohl bezüglich unseres Management-Systems, als auch bezüglich der Qualität unserer Produkte.
Meine Frage dient dazu, herauszufinden, was es im Bereich Software Zertifizierung überhaupt gibt, denn bei uns hat sich bisher wirklich noch nie jemand damit beschäftigt.
Meine persönliche Autorität sehe ich durch solche Pläne in überhaupt keinster Weise angegriffen. Im Gegenteil war die erste Reaktion unserer Management-Runde nach der Geburt dieser Idee, dass das ein Fall für mich wäre. Ich nahm das (naiverweise?) als Kompliment.
Auch die Autorität der Firma wird von niemanden bezweifelt. Wir sind in unserem Gebiet Weltmarkt-Führer. Diesen Status wollen wir erhalten und nach Möglichkeit ausbauen. Zertifizierte Software, dachten wir, hilft uns dabei.
soooo, Ende des Romans. Ich freu mich schon auf die tiefenpsychologische Analyse dieses Beitrags  Vielleicht läuft es ja doch auf fehlende Autorität oder sonstwas in dieser Art raus?
Juergen
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WolfgangHorn_
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Hi, Jürgen
Danke. Mich enttäuschen? Nö. Desillusioniereungen sind immer willkommen als ein weiterer Schritt in Richtung Realität.
Wenn Eure Kunden meinen, das Zertifikat sei eine Gütegarantie, dann muß das her.
Ich habe diesen Glauben, Zertifikate seien eine Gütegarantie, schon in meiner Kindheit verloren, als jemand von "ausgewählten Früchten" sprach und auf meine Frage nach den Auswahlkriterien sich verschluckte und puterrot wurde. Wahrscheinlich wegen des Verschluckens...
Oder wenn man sieht, welche stadtbekannte Reinkarnation eines Roßfälschers das Qualitätssiegel der Gebrauchtwagenhändler führen darf...
Jürgen, es wird sich bestimmt jemand finden, der Euch ein wunderschönes Qualitätssiegel verkauft. EFQM Selbstbewertung, rechnergestützt, 1 Manntag plus teilnehmende Führungskräfte, und die Mitarbeiter brauchen ihre Arbeit nicht mal unterbrechen.
Wenn die ganze Firma zusammen rückt "jetzt bauen wir einen Türken", dann hat das nicht mal die Nebenwirkungen, die ich meinte. Diejenigen, die ich meinte, kommen erst auf, wenn die Führungkraft meint, den Zertifizierer als Hebel benutzen zu können, um im Unternehmen etwas zu bewegen.
Ciao
Wolfgang
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Juergen_
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: Hi, Jürgen
: Danke. Mich enttäuschen? Nö. Desillusioniereungen sind immer willkommen als ein weiterer Schritt in Richtung Realität.
Desillusionierungen sind doch aber Schritte in Richtung Realität, oder? 
: Wenn Eure Kunden meinen, das Zertifikat sei eine Gütegarantie, dann muß das her.
Jepp
: Ich habe diesen Glauben, Zertifikate seien eine Gütegarantie, schon in meiner Kindheit verloren, als jemand von "ausgewählten Früchten" sprach und auf meine Frage nach den Auswahlkriterien sich verschluckte und puterrot wurde. Wahrscheinlich wegen des Verschluckens...
: Oder wenn man sieht, welche stadtbekannte Reinkarnation eines Roßfälschers das Qualitätssiegel der Gebrauchtwagenhändler führen darf...
Das sind doch aber alles keine Argumente, sich nicht von einer objektiven Stelle Qualität nachweisen zu lassen. Du sprichst hier eher von bewussten Täuschungen der Konsumenten aus Geldgier. Und das tun WIR (die in diesem Forum Diskutierenden) doch sowieso nicht.
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: Jürgen, es wird sich bestimmt jemand finden, der Euch ein wunderschönes Qualitätssiegel verkauft. EFQM Selbstbewertung, rechnergestützt, 1 Manntag plus teilnehmende Führungskräfte, und die Mitarbeiter brauchen ihre Arbeit nicht mal unterbrechen.
Das fürchte ich auch.
: Wenn die ganze Firma zusammen rückt "jetzt bauen wir einen Türken", dann hat das nicht mal die Nebenwirkungen, die ich meinte. Diejenigen, die ich meinte, kommen erst auf, wenn die Führungkraft meint, den Zertifizierer als Hebel benutzen zu können, um im Unternehmen etwas zu bewegen.
Schlußbemerkung von mir: Wolfgang, im Gegensatz zu früheren Kommentaren scheinen mir Deine neueren Beiträge von einer gewissen "Grundbeleidigtheit" durchdrungen zu sein. (Das soll kein Vorwurf, Beleidigung o.ä. sein, kommt mir einfach so vor) In unserem Fall wollen wir tatsächlich einen objektiven! Nachweis erhalten. Denn wir sind überzeugt, gut zu arbeiten und auch gute Produkte zu liefern, und wollen das so gut wie möglich "an den Mann/ an die Frau" bringen.
Ohne Täuschungen, ohne Fakes, ohne interne Reibereien, sondern mit Hoffnung, dadurch uns selbst zu stärken, indem Kunden und Investoren wieder ein Stückchen mehr Vertrauen fassen.
Gruß Juergen
: Ciao
: Wolfgang
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WolfgangHorn_
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Hi, Jürgen
"Grundbeleidigtheit"...ja, in meinem Empfinden eher Mitgefühl und Verzweiflung angesichts dessen, was ich so sehen muß.
Auf dem "Forum gesunde Arbeitswelt 2002" in Mannheim: "Allein im Monat August", so ein Engagierter einer Mobbingberatungsstelle, "hatten wir mehr Hilferufe als im ganzen bisherigen Jahr."
Das sind die "Späne", "die man beim Hobeln nun mal in Kauf nehmen muß".
Gehobelt wird aber nach Richtlinien einer Betriebswirtschaftslehre, die ihre eigene Orientierung so sehr verloren hat, wie das Chaos groß ist, das sie in der "Sturmflut der Managementmodewellen" produziert.
So schlimm dies Chaos, so verunsichert die Führungskräfte.
Die schreckliche Folge: Eine verunsicherte Führungskraft ist keine. Denn wer vertraut sich schon der Führung einer Person an, die auch nicht viel besser weiß, wo es lang geht?
Da wird dann nur noch aus blankem Jobbewahrungsinstinkt oder Opportunismus getan, was der Chef befiehlt.
Kein Wunder, daß sich autoritätslose Führungskräfte Autorität kaufen. Ernten werden sie aber auch nicht mehr als Opportunismus, und wer damit Qualität machen will, dessen Firma stirbt an Bürokratie.
Diese Gedanken zogen durch meinen Hinterkopf, als ich Deine Frage las, Jürgen.
Nebenbei fällt mir ein - ich bin bei ROHDE&SCHWARZ groß geworden. Dies Unternehmen hat in seiner Branche Standards gesetzt in Sachen Präzision und Qualität.
Der "Standardsetzer" zu sein, nach dem andere Unternehmen bewertet werden, das hat gewaltige Vorteile - weil man als Hersteller genau das setzen kann, was für einen selbst und für die eigenen Großkunden gut ist. Weil man die Nase vorn hat, denn die Konkurrenten erfahren vom neuen Standard erst nach der Messe, und erst dann können die anfangen zu reagieren.
Fremde Standards können nie optimal sein für das eigene Unternehmen. Sich nach ihnen zu orientieren ist die Garantie für Minderergebnisse.
Man verliert auch die exklusive Alleinstellung, sondern wird vergleichbar mit allen anderen.
Jürgen, die Zertifizierung ist Euch doch kein Zweck, sondern ein Mittel zum Zweck. Der Zweck heißt: Unsere Kunden sollen bei uns kaufen und erkennen, das Qualitäts/Preis-Verhältnis ist bei uns besser als das der konkurrierenden Garagenfirmen.
Natürlich liegt der Gedanke nahe, sich nach einem allgemeingültigen Standard zu zertifiziern.
Der aber nie optimal sein kann. Der Eure Kosten treibt und Preise verteuert. Den Eure Kunden so sehr schätzen müssen, daß sie den Mehrpreis gern zahlen.
(Abschreckendes Beispiel: Die deutschen Telekom-Firmen erlebten einen harten Schlag, als die privatisierte Telekom die hohen deutschen Telekom-Standards verwarf und billigere Ware aus dem Ausland bezog.)
So sehr Euer Ziel ist, für Eure Kunden gut zu sein, ist der Standard des XYZ-Instituts nur ein Notbehelf.
Unter solchen Umständen könnte es fur Euch, die Ihr Marktführer seid, besser sein, ihr erarbeitet Euch mit Euren 3-5 Hauptkunden einen Standard, der für Euch und diese Kunden optimal ist und den Ihr auf das Wesentlichste fokussiert.
Euer Vertrieb kann bei den kleineren Kunden dann sagen: "Schaut, eure großen Brüder haben das gewählt und mitgearbeitet, was kann für euch besser sein?"
Aber das ist "aus dem Handgelenk" geschüttelt.
Ciao
Wolfgang
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Juergen_
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: Hi, Jürgen
: "Grundbeleidigtheit"...ja, in meinem Empfinden eher Mitgefühl und Verzweiflung angesichts dessen, was ich so sehen muß.
Das kann ich allerdings nachvollziehen. Betrifft meines Erachtens aber nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die gesamte politische und gesellschaftliche Entwicklung. Ich bemerke in sehr vielen Bereichen den Sprung vom Miteinander zum Gegeneinander. Es wird bald nötig sein (oder ist es schon), sich kleine Refugien zu schaffen, die noch lebenswert sind. Diese sehe ich aber nur im privaten Bereich.
: Gehobelt wird aber nach Richtlinien einer Betriebswirtschaftslehre, die ihre eigene Orientierung so sehr verloren hat, wie das Chaos groß ist, das sie in der "Sturmflut der Managementmodewellen" produziert.
Richtig
: Die schreckliche Folge: Eine verunsicherte Führungskraft ist keine. Denn wer vertraut sich schon der Führung einer Person an, die auch nicht viel besser weiß, wo es lang geht?
Der schreckliche Grund: es ist doch heute überhaupt nicht mehr mögliche, einigermaßen verläßliche Prognosen, auch nur für die nächsten 12 Monate zu erstellen, was irgendeinen Bereich der Wirtschaft betrifft. Anscheinend stimmt am gesamten System schon die Basis nicht. Aber wer sollte ein Interesse daran haben, das System zu ändern? Doch nicht die, die es erfunden und jahrelang (und auch jetzt noch) davon profitieren. Sondern ändern wollen es diejenigen, die entweder darunter leiden oder sich mit Abscheu abwenden. Denen fehlt aber die entsprechende Macht, etwas zu ändern.
: Jürgen, die Zertifizierung ist Euch doch kein Zweck, sondern ein Mittel zum Zweck. Der Zweck heißt: Unsere Kunden sollen bei uns kaufen und erkennen, das Qualitäts/Preis-Verhältnis ist bei uns besser als das der konkurrierenden Garagenfirmen.
Natürlich wollen wir das so kommunizieren. In unserem speziellen Fall ist es lustigerweise sogar wirklich so, dass wir das selber glauben. Da haben wir also wenigsten intern keine Authentizitätsproblem.
: Unter solchen Umständen könnte es fur Euch, die Ihr Marktführer seid, besser sein, ihr erarbeitet Euch mit Euren 3-5 Hauptkunden einen Standard, der für Euch und diese Kunden optimal ist und den Ihr auf das Wesentlichste fokussiert.
: Euer Vertrieb kann bei den kleineren Kunden dann sagen: "Schaut, eure großen Brüder haben das gewählt und mitgearbeitet, was kann für euch besser sein?"
Das ist tatsächlich ein sehr interessanter Ansatz, der mir bisher noch nicht in den Sinn kam. Wär aber absolut realisierbar, sinnvoll und erfolgversprechend.
Und so werden zwischendurch ziemlich abstrakte Diskussionen doch wieder ganz relevant für die praktische Arbeit.
Danke
Juergen
: Ciao
: Wolfgang
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